Kirgisien 2004: Der Transporter kommt

Jetzt hat auch Djuscha mit dem PKW-Transporter die Grenze erreicht. Also müssen Rahim und Lanscha nach dem Abendessen zur Grenze nach Bischkek, um die Verzollung zu organisieren. Da wollen Alexander und ich (Dirk) natürlich gerne mit.

Nach kurzer Übergabe fahren Lanscha und Djuscha mit Rahim’s PKW zurück nach Tokmak. Djuscha braucht jetzt seinen Feierabend.

Die Zoll-Formalitäten haben „wir“ relativ schnell erledigt und setzten uns mit dem betagten DAF in Bewegung. Ich sitze auf der Motorabdeckung und „genieße“ die Fahrt durch die lange Baustelle und dann über die Bahn zurück nach Tokmak.

Ein hoch auf die luftgefederten Sitze!

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Kirgistan 2004: Der Ausflug zum Burana-Turm

08.10.2004 Nach dem Mittagessen ist eine Tour zur kleinen Ausgrabungsstätte am Burana-Turm – ca. 10 km von Tokmak entfernt – angesagt.

Unsere Gastgeber begleiten uns. Beide! Ayscha war noch niemals hier. Uns wird erklärt, dass solche Ausflüge nicht üblich sind. Das Ayscha mitfährt ist nicht selbstverständlich. Helene erklärt uns, dass Alexander unsere Einladung nur unter der Bedingung angenommen hat, dass Ayscha uns bei allen Ausflügen und Besuchen begleitet.

Leider ist nur noch ein Teilstück des Turms aus dem 10/11. Jahrhundert vorhanden. Angegliedert ist ein kleines Museum und auf dem Freigelände gibt es einige Steinmonumenten. Im Inneren des kleinen Museums erklärt die freundliche Angestellte, dass Tokmak an einer der drei Routen der legendären Seidenstraße lag und daher schon früh besiedelt wurde. Der Burana-Turm habe zu einer religiösen Kultstätte der Stadt Balasagun gehört. Die ursprüngliche Höhe betrug 40 m, die Spitze sei vermutlich bei einem Erdbeben abgebrochen. Es gibt einige wenige Keramik, Münzen und große Tonvorratsbehälter aus der Umgebung. Sie erklärt uns, dass in der Vergangenheit nicht sehr sorgfältig recherchiert und die Ausgrabungsstätte leider nicht ordentlich gesichert wurde. Auf jeden Fall gingen die Archäologen davon aus, dass es sich bei der Stadt um eine große Ansiedlung gehandelt habe, da u.a. auch Bruchstücke von tönernen Wasserleitungen gefunden wurden.

Mit dem Turmschlüssel ausgerüstet, erklimmen wir die schmale, unbeleuchtete Wendeltreppe und haben einen grandiosen Ausblick. Tokmak liegt auf ca. 1200 m Höhe in einem weiten fruchtbarem Tal. Das Tal wird auf der einen Seite durch die kaschachischen Berge und auf der anderen Seite von der kirgisischen Gebirgskette Terskej Alatau begrenzt. Die weich geschwungenen Linien auf der kasachischen Seite lassen uns ein Sandsteingebirge vermuten, wogegen der Terskej-Alatau an die schroffen Alpengipfel erinnert. Weit hinab liegt bereits Neuschnee auf der Gebirgskette.
Der Turm ist ein beliebtes Ziel für Hochzeitsfotos. Als wir aufbrechen kommt eine Hochzeitsgesellschaft. Junge Festgäste und ein Kamerateam begleiten das Brautpaar. Auf der Rückfahrt nach Tokmak begegnet uns dann Gesellschaft Nr. 2. Die Autos sind blumengeschmückt und natürlich gibt’s auch ein Hupkonzert.

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Kirgistan 2004: Der Morgen danach

08.10.2004 7:30 6 1/2 Stunden Schlaf an einem Stück, wunderbar! Der Hahn des Hauses hat ganz sicher schon vor Stunden gekräht. Im Haus gibt es lediglich ein Badezimmer und eine Outdoor-Toilette. So dauert es etwas bis alle gewaschen und stadtfein sind.

Wie herrlich, es ist niemand mehr da, der uns hetzt, wir haben Urlaub!

Für 10:00 Uhr ist Gästefrühstück angesagt. Alexander hat vorsorglich um  „continental breakfast“ gebeten und tatsächlich wird dem Wunsch entsprochen. Es gibt Butter und Käse aus unseren Restbeständen, frisches Fladenbrot, eine Art Räucherkäse, Marmelade, Schmand, Süßigkeiten, Plätzchen und die abends unberührt gebliebene Torte sowie den restlichen Salat vom Mitternachtsmahl.

Aber nun müssen wir uns doch beeilen, denn der erster Interessent für die Sprinter hat sich angesagt. Also entladen Alexander und Dirk die Autos, damit Rasul und Lanscha sie waschen können. Auf Helene und mich warten die Gastgeschenke und die auf eine hübsche Verpackung. Aus Angst, dass wir alles an den Grenzen wieder auspacken müssten, haben wir es bis zur Ankunft vertagt. Und so sitzen Helene und ich im „Wohnzimmer“ auf dem Fußboden und packen Geschenke ein.

Heute hat die 17jährige junge Ehefrau die „ehrenvolle“ Aufgabe, uns zu bekochen. Es gibt eine Art Gemüsesuppe mit leider sehr fettem Rindfleisch. Die Suppe ist richtig lecker, gut gewürzt und wie gewünscht ohne Zwiebeln und Knoblauch. Wir 4 mögen keinen Knoblauch und so erging durch Rahim eine entsprechende Order an die Küche. Als Beilage gibt es Gurken-Tomatensalat und eine Art Auberginensalat mit Paprika sowie das leckere usbekische Fladenbrot. Alexander sinniert laut darüber, ob es eine gute Geschäftsidee wäre dieses lecke Brot in Deutschland zu backen und zu vermarkten. Natürlich gibt es auch die obligatorischen Süßigkeiten, Plätzchen, die restliche Torte vom Vorabend und einen frisch gebackenen Honigkuchen. Was auffällt ist, dass die übrig gebliebenen Speisen der Vormahlzeit immer wieder Angeboten werden. Dirk erzählt mir, dass die Tomaten heute morgen von Rahims Bruder im PKW angeliefert wurden. Ein ganzes Auto, einschließlich Innenraum, voll mit Tomaten vom eigenen Feld – frischer geht’s wirklich nicht.

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Kirgistan 2004: Die Ankunft

07.10.04 Kaum haben wir kirgisischen Boden betreten, werden wir mit liebevoller und sorgender Gastfreundschaft konfrontiert. Rahim hatte etwas abseits zwei Parkplätze reserviert. Jetzt komme ich mir vor wie im Märchen von Rotkäppchen – allerdings ohne rotes Käppchen und ohne den bösen Wolf 😘 -. Mit einem Korb voller Lebensmittel und einer Thermoskanne mit heißem Wasser für Tee, kommt Rahim um die Ecke.  Für die „Ankunftsparty“ stellen wir unseren Campingtisch im roten Sprinter auf. Der ist ruck zuck übervoll, die 4 Fladenbrote finden schon keinen Platz mehr. Es gibt Tee, verschiedene Sorten Plätzchen, Süßigkeiten, Äpfel, Birnen, Weintrauben – sehr lecker -, Tomaten, und einen Topf Gulasch. Ich frage mich ernsthaft, ob Rahim wohl glaubt, wir hätten auf der ganzen Fahrt gehungert. Bevor ich herzhaft zugreife warnt Helene mich: „Iß nicht so viel, vermutlich wartet in Tokmak noch ein Essen auf uns!“

Gut, das Rahim voll mit dem Bürokram beschäftigt ist, so merkt er nicht, dass wir nur sehr sparsam zugreifen. Nur den leckeren Weintrauben kann ich nicht widerstehen. Alexander und Rahim sind noch eine ganze Weile mit dem Papierkram beschäftigt. Es müssen bereits hier an der Grenze notariell beglaubigte Schriftstücke hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse der zwei Sprinter unterzeichnet und natürlich auch die Zollpapiere erstellt werden …

Nach einer längeren Pause werden die letzten 60 km unter die Räder genommen. Ich kann es noch gar nicht fassen, wir haben die lange Strecke, vor der ich Respekt und  Bammel hatte, wohlbehalten geschafft. Unser erster Eindruck zu den  Straßenverhältnissen in Kirgistan ist erschreckend, bis wir feststellen, das wir uns in einer ellenlangen Baustelle befinden. Irgendwann wird die Straße besser, aber von gut sind wir noch weit entfernt. Dirk, der im Vorfeld laut getönt hatte, er wolle auf keinen Fall unseren Sprinter durch einen fremden Fahrer nach Hause bringen lassen – ein Reiter bringt sein Pferd auch alleine in den Stall – wird dann doch müde und ich fühle mich auch nicht mehr fahrtauglich. Außerdem traue ich der Entfernungsangabe nicht, wir hatten zu viele ungenaue in den letzten Tagen. Und so fährt Alexander unseren weißen Sprinter in seine „Garage mit Kronleuchter“.

23:00 07.10.2004 Ortszeit Großer Bahnhof im Haus unseres Gastgebers, selbst das zweijährige Enkelkind ist noch auf den Füßen. So eine herzliche, freundliche und liebevolle Begrüßung hatte ich nicht erwartet, alle – bis auf die Kleinste, die fremdelt etwas – freuen sich über unsere glückliche Ankunft. Die hauseigene Sauna ist angeheizt. Extra für uns steht ein Tisch mit etwas wackligen Stühlen in der „guten Stube“, der sich förmlich unter der Last  der vorbereiteten Speisen biegt. Bevor wir unser persönliches Gepäck ausladen können, sitzen wir schon am Tisch und testen die dunganische Küche.

Mehr als satt holen wir schnell unser Gepäck und ab geht’s in die hauseigene Sauna. Nein, nicht wie ihr vielleicht denken könntet alle zusammen, sondern zuerst Dirk und ich. Helene und Alexander, tauschen erst einmal die aktuellen Neuigkeiten mit unseren Gastgebern. Ayscha und Helene haben viel über Kinder und Enkelkinder zu plaudern, die Familien sind seit Alexanders und Rahims Militärzeit miteinander befreundet.

Um in die Sauna zu gelangen, müssen wir über den Hof, an Haus, Hühnerstall, Outdoor-Toilette, dem Stall und zwei großen eingemauerten Töpfen mit Holzfeuerung vorbei. Es gibt einen Vorraum zum Umkleiden. „Achtung gefährlich!“ Lanscha, der zweite Sohn unserer Gastgeber, weißt uns fürsorglich auf eine lebensgefährliche Steckdose hin. Im warmen Vorraum gibt es fließendes warmes Wasser. Für jeden von uns gibt es eine große Waschschüssel und zum Abspülen liegt eine Scheppe bereit. Es ist gewöhnungsbedürftig sich mit einer großen Waschschüssel und einer Scheppe zu duschen, aber im Teamwork geht es prima. Nach der doch recht dürftigen Körperpflege in den vergangenen Tagen und bei der empfindlichen Kälte ab Sonnenuntergang, sind wir dankbar über die Wärme in der Sauna und für die Dusche. Die Sauna ist klein und so wie bei uns eingerichtet. Dann noch kurz ins „Herzhäuschen“ = Outdoor-Stehtoilette mit elektrischem Licht.

08.10.04 – 1:00 Rundherum satt, sauber und zufrieden ab ins Bett. Mir ist völlig wurscht und ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen, wem ich das Bett raube. Ich bin unendlich müde und will nur noch schlafen!

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Kirgistan 2004: Die Fahrt Kasachstan – Kirgistan

km 4700 06.10.04 9:20  Als ich aufwache begrüßt mich ein entsetzlicher Knoblauchgestank. Junus muß fürchterliches gegessen haben. Es ist empfindlich kalt und wir verzichten vorerst auf unser Frühstück, sitzen trotz des Knoblauchgestanks lieber im geheizten Sprinter, als Tee im Freien zu kochen. Wir fahren in Richtung Astana. Das Wasser eines kleinen Sees am Straßenrand dampft, als ob es kochen würde. Eine Ziegenherde kreuzt die Durchgangsstraße und dann kommt die erste kasachische Tankstelle. Sie wirkt wenig vertrauenserweckend und wir fragen uns, ob dort „gestreckter“ Kraftstoff verkauft wird. Wir haben keine Traute und hoffe auf die nächste Tankstelle, es kann kaum schlechter werden.

Heute Morgen ist sehr diesig und so sehen wir leider wenig von der Landschaft. Die Straße ist immer noch schlecht, sie hat sich seit der Grenze keinen bisschen verbessert. Es gibt weder Rand noch Mittelstreifen, nicht einmal ansatzweise seitliche Begrenzungen und der Straßenbelag ist übel, wir freuen uns über jedes Stück mit glattem Asphalt. Alexander erzählt uns, dass die  Felder rechts und links der Straße früher landwirtschaftlich genutzt wurden. Es war fruchtbares Ackerland, doch jetzt liegt fast alles brach. Bei oberflächlicher Betrachtung sieht das ganze Land  herabgewirtschaftet, marode und heruntergekommen aus. Es gibt beeindruckende Vehikel, die hier die Straße bevölkern. Geisterfahrende Eselskarren gehören ebenfalls zum Straßenbild,  wie Personen, die eine einzelne Kuh am Strick durch die Gegend führen.

Und natürlich, wir haben ihn schon lange vermisst, den ersten erhobenen Stock eines kasachischen Polizisten. Bei den vielen „tollen“ Autos, möchte er sich sicher von der Verkehrssicherheit unserer Sprinter überzeugen. Helene und ich  haben die Polizisten in Stockfische umbenannt. Man muss wissen, dass, sobald ein Stockfisch seinen Stock nur minimal in Bewegung setzt, der vorbeifahrende Autofahrer anhalten muß.

10:00 Und wieder eine Polizeikontrolle, wenn das so weiter geht, kommen wir nie an 😠.

11.00 – 12:00 Brunch am Rand eines Stoppelfeldes. Die Straße hat sich inzwischen verbessert, es ist sonnig und die Landschaft idyllisch. Heute dürfen wir kochen. Es gibt Gnocchi mit hausgemachter Bologneser Sauce. Was wir bei der Planung nicht bedacht haben, sind die niedrigen Außentemperaturen und der kalte Wind. So braucht unser kleiner Campingkocher ziemlich lange, um 2 l Wasser für die Gnocchi zu kochen. Aber es gelingt und zum Nachtisch gibt’s die letzten deutschen Yoghurt und natürlich warmen Tee.

15:00 Unsere dritte Polizeikontrolle. Angeblich sind Funkgeräte nicht gestattet.

km 5000 – 15:45 Schneeregen und die 4. Polizeikontrolle.

17:45 Polizeikontrolle zum Fünften.

18:30 Wir nähern uns jetzt Astana durch die kasachische Steppe. Dirk und ich sinnieren darüber, ob es sich um Taiga oder Tundra  oder keines von beiden handelt. Die Landschaft unter dem phantastischen Himmel mit seinen herrlichen Wolkenbilder ist öde. Uns scheint der Himmel hier näher als zu Hause und wir fragen uns, ob es mit der Weite des Landes zu tun hat.

Je näher wir der Hauptstadt kommen, um besser werden die Straßenverhältnisse. Von der Stadt sehen wir nichts, sondern streifen lediglich die Randbezirke.

Offensichtlich befinden wir uns auf dem Zubringer zum Flughafen, denn die Straße ist jetzt super, hat westlichen Standart und wird rechts und links von Straßenlampen gesäumt – man muss bei Staatsgästen ja für Eindruck sorgen -. Wenige Stunden vorher, an der Grenzstation für den Transitverkehr gab es kaum Lampen. Die Grenzbeamten besaßen nicht einmal Taschenlampen, um die Autos zu inspizieren. Wir standen in hohem Schlamm und hier die totale Verschwendung. Es würde uns schon interessieren, ob die Straßenlampen abends wirklich auch leuchten, aber so langen wollen wir nun doch nicht hier verbringen.

18:50 mal wieder eine Polizeikontrolle, Nr. 6 an diesem Tag. Aber, oh Wunder, ein nicht korrupter Beamter, er bittet Alexander sogar, sich bei Schwierigkeiten mit ihm in Verbindung zu setzen. Er vergisst allerdings uns seinen Namen und seine Handy-Nr. für den Fall der Fälle zu geben 😏. Auf jeden Fall war es eine erfreuliche Begegnung. Zu früh gefreut, denn schon kommt die Ernüchterung.

Wir essen ganz friedlich in einer Fernfahrerraststätte zu Abend. Alexander will eigentlich zur „outdoor Toilette“

und trifft auf dem Weg dorthin auf zwei Polizisten. Sie interessieren sich sehr für unsere Sprinter und fordern Alexander auf, das rote Auto zwecks Inspektion zu öffnen. Natürlich wird mal wieder die Funksprechanlage bemängelt. Alexander erklärt ihnen, dass sie lediglich bei kurzer Distanz einsatzfähig ist  und augenblicklich nicht funktioniert. Außerdem habe man ihm bei der kasachischen Botschaft erklärt, dass die Nutzung einer solchen Anlage in Ordnung sei. Einer der beiden Herren probiert aus, kann das Gerät aber nicht bedienen und bekommt keinen vernünftigen Empfang. Sie sind zufrieden. Dann richtet er sein Augenmerk auf die Plastikdose voller Studentenfutter und fragt nach dem Deckel. Alexander überhört😉 die Frage. Doch der Deckel wird gefunden und die Dose nebst Inhalt konfisziert. Na dann, guten Appetit ihr zwei.

Die Durchgangsstraße führt uns vorbei an Qaraghandy (Karaganda), dort hat Helene vor vielen Jahren ihre Ausbildung absolviert. Es ist viel zu dunkel, um etwas von der Stadt zu sehen, außerdem ist sightseeing in memorial im Moment nicht angesagt.

07.10.2004 – 1:00 Schlafengehzeit auf einem bewachten Parkplatz, hurra, schon so früh ☺.

7:50 Guten Morgen, nach einer „langen Nacht“. Aufwachen mit Schnee auf den Autos. Und, wegen der Kälte, wieder mal ohne Frühstück „on tour“ durch die kasachische Steppe. Die allgemeine Frage ist, wie oft werden wir heute von der Polizei angehalten. Wir werden das Gefühl nicht los, dass wir als rollender Gemischtwarenladen beim jeweils nächsten Streckenposten anmelden werden. Aber was überwiegt und nicht mit Geld zu bezahlen ist, sind die vielen wunderschönen Eindrücke, die wir bisher auf der gesamten Strecke sammeln durften. Leider wird wohl keines der Bilder, die wir aus dem fahrenden Auto schießen, diese phantastischen Bilder wiedergeben: Die unendliche Weite, die schnurgerade, unendliche Straße immer gerade aus, Wolken von denen man glaubt, dass sie die Erde berühren und die Weite des Horizonts.

Witzig sind in dieser Einsamkeit die kleinen Bushäuschen für den Linienbus. Kommt überhaupt einer und wann? In der Ferne sehen wir eine Jurte, bewohnt oder nicht? Und dann, echt geil, Kamele, keine Dromedare wie wir sie aus der Wüste kennen, sondern echte Kamele. Leider sind sie viel zu weit weg, um sie aus dem fahrenden Auto aufs Bild zu bannen.

10:30 Nach Kilometern ohne eine Menschenseele, durchfahren wir eine Stadt mitten in der Steppe. Aksu-Ayuly eine Bergbaustadt in der zu UDSSR-Zeiten auch Gold abgebaut wurde, erklärt Alexander. Neben der Straße große Industriegebäude, vermutlich beherbergen oder beherbergten sie Schwerindustrie.  Für mich  sieht alles sehr marode und wie außer Betrieb aus.

14:00 wir erreichen den Balchaschsee.

km 5980 Wir nehmen uns etwas Zeit, fahren kurz von der Straße runter ans Wasser und genießen den schönen Ausblick.

14:45 Bei einem der vielen Straßenhändler kaufen wir Räucherfisch und essen ihn während der Fahrt. Mir ist der Fisch zu fett, außerdem hat er viele, aber gut zu findende Gräten. Dirk fährt gerade, also operiere ich die Gräten aus dem Fisch, teile ihn in mundgerechte Stücke und reiche sie weiter. Nun stinken unserer Sprinter und meine Hände wie eine Fischbude. In unseren zukünftigen Speiseplan wird dieser Fisch keine Aufnahme finden 😏. Wir deponieren den halben Restfisch in unserer Kühlbox und hoffen auf hungrige Esser. Unsere Route führt sehr lange am See entlang. Alexander erklärt uns, das in dieser Gegend Eisenerz abgebaut wurde, vielleicht immer noch wird. Das erklärt die vielen aufgeschütteten kleinen Hügel.

Wir biegen von der Hauptstraße nach Almaty – bis dahin wären es noch 400 km – ab und fahren nun südlich in Richtung Kirgistan. Tankstellen, die wir alle anfahren, haben zur Zeit keinen Diesel. Als die Tankkontrolle an unserem Sprinter aufleuchtet, fahren wir nur noch sehr „spritsparend“ und schimpfen über Junus, der ja behauptete, es gäbe überall Tankstellen. Richtig, aber … keinen Diesel! Dann taucht endlich wieder eine Tankstelle auf und wir erhalten Diesel. Das war knapp! Volltanken dürfen wir allerdings nicht.

km 6300 – 19:00 Drei Polizeikontrollen auf gefahrenen 4 km, dass ist jetzt die Höchstleistung unserer Freunde mit dem Stock, auf die Gesamtstrecke gesehen. Die Straße ist schnurgerade  und so können wir von der ersten schon die zwei und von dort die dritte Polizeikontrolle sehen. Löblich, bei der ersten Kontrolle wird kein Wegezoll gefordert, die zwei anderen erhalten Trillerpfeifen und Schokolade.

20:30 Ortszeit Ankunft an der kasachischen Grenzstation. Schau’n wir mal, was heute hier so abgeht! Auch hier wird Alexander von dem Grenzbeamten auf den fehlenden Eintrag der PKW’s im Visa angesprochen, außerdem wird ihm vorgeworfen, dass er die Vordrucke in deutsch und nicht in russisch ausgefüllt hat. Der Beamte meint, damit würde mangelder Respekt gegenüber dem kasachischen Staat angezeigt.😳 ???. Schlagfertig erwiderte Alexander, das er dem kasachischen Staat wohl nicht mehr Respekt erweisen könne, als deutsche Freunde mit nach Kasachstan zu nehmen, um ihnen das Land zu zeigen. Diese Antwort brachte den Beamten ins Grübeln und er gab Ruhe. An der kirgisischen Grenze klappt dann alles sehr gut. Dirk findet sogar einen Grenzbeamten, der englisch mit ihm spricht. Allerdings inspiziert auch dieser unseren Innenraum, schaut in Kisten und Kästen.

An jeder Grenze sorgte der Inhalt einer Pamperskiste, die Helenes Bruder uns für Bekannte in Tokmak mitgegeben hatte, für ganz besonderes Interesse. Inhalt dieser dubiosen Kiste ist eine Plastikkiste mit mehreren Schubfächern, diese werden sämtlich durch die Grenzbeamten herausgezogen mit dem frustrierenden Ergebnis: leeeeer 🤣. Die Kiste muss natürlich auch heute geöffnet werden. Der Beamte stellt fachmännisch fest, dass es sich hier um Küchengerät handelt??? Uns soll’s recht sein!

Wir sind eigentlich noch gar nicht fertig, da kommt schon Rahim angesaust und es kommt zu einer stürmischen und herzlichen  Begrüßung. Er hat schon seit morgens an der Grenze ausgeharrt, um unsere Ankunft auf keine Fall zu verpassen. Jetzt kümmert er sich rührend um uns und das noch anstehende Grenzprozedere. Wir freuen uns ganz besonders für Alexander, der jetzt nicht mehr so allein auf sich gestellt ist.

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Kirgistan 2004: Die Fahrt Ural – Kasachstan

05.10.2004 Landschaftlich haben wir uns den Ural wie die Alpen, mit schroffen Felsen und tiefen Tälern vorgestellt. Rechts und links der Passstrasse ähnelt er jedoch unseren sanft gewölbten Mittelgebirgen. Die Strecke führt Schnur gerade aus durch dichte Laubwälder.  Dazwischen liegen kleine russische Dörfer mit ihren typischen kleinen Holzhäusern, wie wir sie aus Dr. Schiwago kennen. Alles in allem sehr malerisch. Besonders begeistert uns die endlose Weite ohne störende Städte und Industrieansiedlungen. Man könnte meinen wir wären mutterseelenallein unterwegs, doch dann, unerwartet, wie aus dem Nichts steht plötzlich jemand am Straßenrand. Ob er wohl auf eine Mitfahrgelegenheit oder ein öffentliches Verkehrsmittel wartet? Es gibt kleine, roh gezimmerten Unterständen, an denen Äpfel, Birnen und anderes zum Kauf angeboten werden. Unser Zeitlimit ist eng und so nehmen wir uns nicht die Zeit, um für etwas Umsatz zu sorgen oder einfach ins Gespräch zu kommen. Inzwischen ist die Straße ausgesprochen schlecht. Musik kann nur bei voller Lautstärke gehört werden, Unterhaltungen sind wegen der Geräuschkulisse anstrengend. So gehen wir unseren Gedanken nach und genießen  die angenehme, stille Landschaft. Ganz oft denke ich an die Bilder aus dem Film „So weit die Füße tragen“ 

Was unsere Beschaulichkeit unterbricht sind die ständigen Polizei- und Radarkontrollen. Gestern war Rekordtag,  viermal  mussten wir wegen diverser Verstöße Strafen bezahlen. Zum Geld kommen immer noch aufstockend Naturalien. Ich gestehe, daß wir ab und zu etwas zu schnell unterwegs sind, doch was hetzen sie uns auch so durch ihr Land.

Auf zum Tankstopp in der russischen Föderation, hier sogar mit angeschlossenem Hotel in einem ausrangierten Schlafwagen. An einem Kassenhäuschen wird durch ein kleines vergittertes Fenster die gewünschte Literzahl angegeben und Cash gezahlt. Erst dann wird die Säule freigeben. Die Tankpistole ist mit einem Stein blockiert. Soweit so gut, aber … wenn man sich verschätzt, läuft der überschüssige Diesel einfach auf die Erde. Pfeift der Kunde laut genug und der Tankwart hört es, wird der Hahn von innen wieder abgedreht. Schon etwas gewöhnungsbedürftig, von Umweltbewusstsein keine Spur. Offensichtlich haben sich viele unserer Vorgänger verschätzt, denn rund um die Tanksäule befindet sich ein kleiner  Aral- nee Dieselsee.

km 4444  Abendessen ist angesagt, Junus knurrt der Magen – wir lernen schnell, Essen ist für Dunganen äußerst wichtig 🙂 -. Fakt ist, daß unser Reisebegleiter uns kaum Zeit zum Schlafen einräumt, aber es ist immer Zeit für ein warmes Essen in einem Restaurant. Heute ist frischer Fisch im Angebot, super, da schlagen auch wir gerne zu.

Im Stillen beginnen wir aufzuatmen, denn es sind nur noch 295 km bis zur russisch/kasachischen Grenze und wir liegen gut im Zeitfenster. Ob wir noch heute Abend die Grenzstation erreichen, bleibt, bei diesen miserablen Straßenverhältnissen, abzuwarten. Wir fahren bei gutem Wetter durch eine phantastische Landschaft, bunt gefärbte Birkenwälder so weit das Auge reicht. Was mich noch mehr beeindruckt sind die herrlichen Wolkenformationen am Himmel.

Selbst bei grauer Bewölkung wirkt die Landschaft lieblich, die goldgelben Birkenwälder sorgen für die notwendigen Lichtpunkte. Außerdem, welch ein Wunder, schon seit Stunden keine Polizeikontrolle. Um keinen Stress aufkommen zu lassen, darf unser Dungane fahren wie er will und wir zockeln mit unserer lahmen Krücke einfach hinterher. Irgendwann wartet der Dungane dann doch und wir schaffen es aufzuschließen. Aber, bekanntlich soll man den Tag nicht vor dem Abend loben und jetzt liegt wieder einmal eine Grenzstation vor uns.
km 4627 – 05.10.04 – 18:50 An einem offiziell aussehenden kleinen Haus werden wir angehalten, der Beamte überfliegt unsere Papiere, schaut recht gelangweilt in unsere Autos und nach einigem Palaver dürfen wir weiter fahren. Völlig erstaunt über die schnelle Abfertigung, belehrt uns Alexander, dass es sich hier nur um die vor der Grenze übliche Polizeikontrolle handelte. Bis zur eigentlichen Grenzstation müssen wir noch ein ganzes Ende fahren.
Bei einsetzender Dunkelheit bemerken wir die schlechte Ausleuchtung der Straße. Jetzt muss die einzige „Reparatur“ auf der ganzen Fahrt durchgeführt werden: Scheinwerferbirne rechts am weißen Sprinter ersetzen :-).
Um 20:20 erreichen wir die Grenzstation. Dort wartet bereits eine lange Schlange LKW’s, dabei viele PKW-Transporter, auf Abfertigung. cimg0186_2134504536_o Die aufgeladenen PKWs haben die gleiche Tarnfarbe wie unsere beiden Sprinter, schlammbraun. Wie lange wird es wohl heute dauern?
Grosses Kino bereits zu Anfang, angeblich befinden wir uns bereits den 4. Tag in der russischen Föderation, haben jedoch nur ein 3-Tage-Visum. Aber …, unsere Einreise erfolgte am 03.10. um ca. 8:00, heute ist der 05.10. ca. 20:20,  also läuft die Frist doch erst am 06.10. gegen 8:00 aus. Wir sind nicht zu spät!!! Der geforderte „Verspätungszuschlag“ ist horrend und ich bin das erste Mal richtig wütend 😡. Dirk begleitet, zwecks Lösung des Rechenproblems, Alexander in die verstreut liegenden kleinen Grenzgebäude. Dort wurde Dirk sogar von einem deutsch sprechenden Beamten „verhört“. Sein deutscher Wortschatz bestand aus „Löw“ (Löwe?) und „Fünfzig Euro“ (na klar)! Dieses Mal sollten wir es nach meiner Meinung einmal darauf ankommen lassen und notfalls beim deutschen Konsulat in Novosibirsk Hilfe anfordern,  denn das Recht ist eindeutig auf unserer Seite. Es dauert und dauert, mir ist kalt und langweilig, also besuche ich Helene. Sie ist es auch, die mich wieder „runter“ holt. Sie erklärte mir, das, sollten wir uns wirklich querstellen, sie – aufgrund ihrer früheren russischen Staatsbürgerschaft – mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen müssen. Daneben habe sie gehört, dass sich in den verlassenen und angeblich verplombten Fahrzeugen bei erneuter Durchsicht auf einmal Drogen oder ähnliches befunden hätten. Seltsam, oder? Selbst bei Inanspruchnahme der deutschen Vertretung, könne die Abwicklung Tage dauern. Die Blödköpfe brauchen doch nur bei der Eintritts-Grenzstation nachfragen. Irgendeines der unzähligen Formulare mit dem korrekten Datum  müsste dort doch noch auffindbar sein. Alexander erzählt uns später, dass zwar telefoniert wurde, mit wem und wozu wisse er nicht. Angeblich kam es zu dem Rechenfehler, weil die weißrussischen Grenzer ihren Einreisestempel auf das Formular der russischen Föderation gedrückt hätten. Wer’s glauben mag. Zum Schluss wird auch diese Hürde durch  Zahlung eines Wegezolls genommen.

Noch eine kurze Randbemerkung zu dem Umfeld an der Grenzstation.  Das Gelände ist eine riesen große Schlammwüste, d.h. Schlamm in Höhe von mindestens 5 cm, an einigen Stellen auch deutlich höher, bedeckt das gesamte Gelände und die Strasse. Dirk berichtet, dass sich die gleiche Schlammmassen auf den Böden der Büros befand: “man hätte dort problemlos Rasen säen können“.

In der Hoffnung, dass nun der administrative Teil beendet ist, begebe ich mich wieder in unser Auto, aber … jetzt kommen Dirk und Alexander mit 4 Grenzbeamten im Schlepp anmarschiert. Die Grenzer lassen sich vom Toilettenpapier bis zu den Geschenken, über Lebensmittel bis zu den Medikamenten alles zeigen. Kisten und Koffer müssen geöffnet werden. Der Beamte, der den Innenraum von der Schiebetür aus begutachtete, spricht etwas englisch, so bin ich in der Lage, die gewünschten Auskünfte ohne Dolmetscher zu erteilen. Was ihn an unseren Hygieneartikeln interessiert bleibt mir verschlossen. Wenigsten betritt er mit seinen Dreckfüßen nicht meinen sauberen Teppichboden. Dirk meint später, ich hätte so böse drein geschaut und der armen Mann sei völlig verängstigt gewesen.
Wir sind immer noch nicht fertig 😤, es folgt noch ein langes Palaver in verschiedenen Büros der Grenzstation. Obwohl ich rechtschaffend müde bin, muß aber erst einmal das ganze Durcheinander aufgeräumt werden. Als ich fertig bin, kämpfen unsere Männer immer noch mit der Bürokratie und so nutze ich die Zeit und krabbel in unsere Schlafkoje.
Zeitgleich mit unserem Auto wird auch der rote Sprinter in Augenschein genommen. Allerdings sind die Grenzer dort weniger rücksichtsvoll und trampelten mit ihren schlammigen Dreckslatschen durch den gesamten Bus. Helene erzählt mir später, dass ebenfalls Kisten und Taschen einschließlich der Kühltasche inspiziert wurden. Natürlich erhielten die „Durchsuchungsmannschaften“ die obligatorischen Süßigkeiten. Da  Abendbrotzeit ist, lehnte der Kühltaschenprüfer die Süßigkeiten ab, verlangte Deftiges, nahm sich den Ring Bauernmettwurst aus der Kühltasche und ging von dannen. Da angeblich (Junus) keine Reservekanister gebraucht werden, erhielten sie auch die alten Ölkanister.

Bei dem Erzählten handelt es sich wirklich nur um die „Spitze eines äußerst trüben Eisberges“. Dirk und ich werden das Gefühl nicht los, dass Helene und Alexander an den Grenzen noch schlechter behandelt werden als wir, ob es wohl mit ihrer Umsiedlung in die BRD zusammenhängt.

23:00 glückliche Ausreise aus der russischen Föderation

23:05 Wir stehen vor dem Grenzkontrollpunkt für die Einreise nach Kasachstan. Welche Gründe mag  es wohl hier für die Forderung von Wegezoll geben. Und tatsächlich mal was ganz Neues: Einreiseverweigerung, weil in unseren Visa nicht die Anreise per PKW vermerkt ist. Hallo, wir haben ein  „Transitvisum“ und somit die amtliche Erlaubnis Kasachstan mit dem Ziel Kirgistan zu durchqueren. Außerdem wurde bereits im Visaantrag die Reiseform abgefragt. Es ist einfach nur nervig! Und all das, obwohl offiziell  ein Teil der ehemaligen GUS Staaten pro westlich ausgerichtet sein will?

06.10.2004 1:10 Ortszeit  Die Schranke öffnet sich und wir können endlich weiterfahren. Wie viel wir für die Grenzübertritte und die Polizeikontrollen in Geld und Naturalien bisher aufwenden mussten, weiß ich nicht, aber mir schwant Furchtbares. Zu Hause ist Zeit für den Kassensturz, jetzt wollen wir uns auf keinen Fall von diesen Machenschaften unsere gute Stimmung vermiesen lassen.
Dirk und ich überlegen, ob es für all das eine Entschuldigung gibt. Vielleicht sind die Beamten auf diesen „Nebenverdienst“ angewiesen, um ihre Familien zu unterhalten.

50 m hinter der Grenze ein ganz praktisches Problem. Ein LKW hat sich total im Schlamm eingebuddelt und der Auflieger steht quer auf der Fahrbahn. kasachstan_2133741637_oDem LKW wurde die Einreise verweigert und so musste er hier drehen. Ein paar Pkws riskieren vorbei zufahren und stecken auf dem Acker fest. Natürlich steigen unsere Männer aus, um zu helfen. Ich denke an die lange Fahrstrecke, die noch vor uns liegt und lege mich erneut hin, um eine Mütze Schlaf zu tanken.

Endlich, wir fahren auf schlechter, unbeleuchteter Straße durch das nächtliche Kasachstan. Junus hat mal wieder Hunger und so machen wir gegen morgen Halt an einer kleinen Raststätte. Er geht essen, wir legen uns lieber aufs Ohr.

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Kirgistan 2004: Die Fahrt Moskau – Ural

03.10.04 – abends Wir sind froh, als wir den Ring um Moskau verlassen können. Bei dem hohen Verkehrsaufkommen ist es für Alexander und Dirk äußerst stressig Kontakt zu halten. Nun geht es in Richtung Ural und damit dem Ende Europas entgegen. Die Stimmung an Bord ist prima und das, obwohl unser 5. Fahrer äußerst gewöhnungsbedürftig ist. Er kann oder will nicht begreifen, dass ein 75 PS Sprinter nicht annähernd so schnell beschleunigt wie sein Bruder mit über 100 PS. Also ergeht Order der Reiseleitung: die lahme Krücke fährt vorne und bestimmt die Geschwindigkeit. Mit dieser Entscheidung wird der in unserem Dunganen schlummernde Macho erheblich strapaziert. Ab und zu gehen die Gäule mit ihm durch und er zieht stolz an uns vorbei. Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass ihm die Vorgabe besondere Schwierigkeiten bereitet, wenn eine Frau am Steuer sitzt. Gut, dass wir bereits in den arabischen Staaten Erfahrungen mit diesem Machogehabe gemacht haben und es nicht persönlich nehmen. Richtig ärgerlich ist, dass sowohl Zeit- als auch Kilometerangaben unseres „Kraftfahrers“, der angeblich die Strecke schon oft gefahren ist, äußerst wage, ungenau oder ganz falsch sind.

04.10.04 – 3:00 Endlich, nachdem wir über 200km mehr fahren mussten als durch Junus vorgegeben, kommen wir an dem versprochenen bewachten TIR-Parkplatz an. Hier treffen wir auf Djuscha – einen Freund von Rahim – mit ihrem Autotransporter. Im roten Sprinter gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit für den Dunganen, so übernachtet er auf unserer Rückbank. Gut, dass wir durch den Vorhang eine abgeteilten Schlafecke haben. Es ist bitterkalt und trotz meines dicken Schlafsacks und einer zusätzlichen dicken Wolldecke friere ich erbärmlich. Nächste Nacht werde ich zusätzlich noch meine Fleecehose anziehen!
6:00 allgemeines Wecken, aber Dirk und ich drehen uns noch einmal um, wir sind noch soooo müde!
km 2690 – 6:30 Nach erbarmungslosem Klopfkonzert stehen wir dann doch auf, Dirk springt in seine Klamotten und los geht die Jagd weiter hinein in den „wilden Osten“. Während der Fahrt starte ich einen kleinen Kulturversuch – waschen mit feuchten Tüchern und Kleiderwechsel. „Guten Morgen liebe Sorgen seit ihr auch schon alle da…“, die erste Radarkontrolle dieses Tages und beide Sprinter sind natürlich dabei. Angeblich 40 km zu schnell!? Nach zähen Verhandlungen beginnt der neue Tag mit 50 € Strafe! Wir müssen erkennen, dass nicht nur Zöllner, sondern auch die Polizisten äußerst korrupt sind. Aber wir lassen uns den Tag nicht vermiesen und genießen die wunderschöne Landschaft, durchfahren ein kleines russisches Dorf mit einem hübschen, orthodoxen Holzkirchlein. Gerne würde ich anhalten, um wenigsten ein paar Fotos zu schießen, aber wir haben nur ein Dreitagevisum für die Russische Föderation und noch eine lange Wegstrecke vor uns. Das Land ist von unbeschreiblich Weite. Birken- und Laubwälder säumen die Straße, dazwischen immer wieder kleine Dörfer mit alten, oftmals baufälligen, teils aber auch gut instand gehaltenen Holzhäusern mit bunt gestrichenen Fenstern, Fensterläden, Türen und Toren.


Plötzlich ein geschlossener Bahnübergang. Die Bahnstrecke kreuzt die vierspurige Autostraße 😳. Ein „Schnellzug“, bestehend aus einer Lok und einem Personenwagen fährt vorbei. Die Straßenführung außerhalb der Orte ist schnurgerade, manchmal fahren wir viele Kilometer geradeaus. Die Ortschaften sind reine Straßendörfer. Die Landschaft wechselt von reinem Birken- in Kiefernwald, dessen Untergrund morastig ist. Und dann wieder Steppenlandschaft mit sandigem Grund. Im Vergleich zu den wenigen Eindrücken aus der Großstadt Moskau mit ihren riesigen Einkaufszentren, wirken die Straßendörfer ärmlich. Ich sehe keinerlei Industrie, es gibt nicht einmal Kleinstbetriebe. Agrawirtschaftliche Nutzung scheint nicht zu lohnen, es gibt nur direkt an den Häusern kleine Gärten. Auch die Tierhaltung scheint lediglich der Deckung des Eigenbedarfs zu dienen. Möglich ist beides nur da, wo der Untergrund nicht sumpfig ist.

8:00 Seit Moskau folgen wir der E22. Wir erreichen Nizhniy Novgorod, eine Industriestadt mitten in der Pampa mit städtischer Infrastruktur und O-Bussen. Autos, Häuser, Geschäfte und Industrieanlagen erscheinen äußerst marode. Erstmals sehen wir nun die Wolga. Weiter geht’s hinein ins weite Land, das rechts und links der Straße „unterm Pflug“ ist. Schade, wir haben sehr trübes Wetter und Nieselregen.
km 2940 – 9:30 Frühstück gegenüber einer der vielen Polizeistationen am Wegesrand.

Es ist ganz schön kalt, nur gut, dass es heißen Tee gibt. Wir bekommen Besuch vom „Osterei“. Eigentlich begleitet er Djuscha und den PKW-Transporter als 2. Fahrer. Aber er hat für sich in Litauen einen alten Audi erstanden. Da er natürlich mit dem PKW wesentlich schneller ist, hat er Zeit für ein kleines Pläuschchen bei heißem Tee und Ingwer-Honigkuchen. Der Besuch des „Osterei’s“ gibt mir Zeit für eine gründliche Morgentoilette.

Km 3190 – 19:35 !!!!!!!!!
19:30 Einkehr in einer „Fernfahrerraststätte“.cimg0127_2134479396_o Bestellt wird an der Rezeption bei Vorkasse, serviert wird später am Tisch. Hier gibt es nach Junus Auskunft eine Duschmöglichkeit. Die Inspektion verläuft positiv, Toiletten und Duschen sind okay. Endlich duschen und vor allem Haare waschen. Fönen nein, sauber ja, gestylt nein. Was soll’s, man kann nicht alles haben ☺. Die Gaststättentoiletten bedürfen besonderer Erwähnung, denn in einer Reihe an der Wand lang befinden sich etwas erhöht die ortsüblichen Stehtoiletten. Alle sind durch dünne Wände getrennt, sauber und verfügen sogar über Keramikbecken. Wir vermissen jedoch die Türen. Also wähle ich die letzte Kabine der Reihe, denn so bin ich jedenfalls sicher vor Durchlaufkunden. Als ich die zwei Stufen emporklimme sehe ich zu meiner großen Freude, dass zwischen den Wänden eine Leine gespannt ist, über der jeweils eine blaue Mülltüte hängt. Wenn man – hier Frau – die Tüte herablässt, ist das stille Örtchen vor neugierigen Blicken geschützt. Später erzählt Dirk, dass bei ihm die blauen Tüten fehlten. Pech gehabt!


Spät abends verliert unser Dungane in einer kleinen Stadt die „Fährte“. Angeblich kennt er die Strecke wie seine Westentasche und sein Stolz verbietet es eine Straßenkarte zu benutzen. Obwohl wir uns in der Nähe einer Polizeistation befinden, weigert er sich standhaft, dort nach dem Weg zu fragen. Statt dessen weckt er lieber den Fahrer eines am Straßenrand parkenden Autotransporters. Erst als er von dort und auch bei einem weiteren Autofahrer keine klare Aussage erhält, fragt er dann doch bei der Polizei nach. Und nun lerne ich „Greenhorn“ meine Lektion, denn Auskunft wird durch den Beamten nur gegen Gebühr in Form einer Trillerpfeife, einer Schokolade, einem Paket Chips und einem Paket Trinkschokoladenpulver erteilt.

05.10.2004 2:30 Ortszeit
Kurze Schlafpause, wegen allgemeiner Fahruntauglichkeit. Trotz unserer Fleecehosen will es im Schlafsack nicht richtig kuschelig werden. Vielleicht ist es auch eine durch Schlafmangel bedingte innere Kälte. Nach einem kurzen Nickerchen geht es weiter, das Drei-Tage-Durchreisevisum setzt uns erheblich unter Druck.

Gerne wechselt Helene für ihre Morgentoilette und natürlich zum Plaudern zu uns. Vorhang und Gardinen zu und schon hat man seine eigenes kleines Reich, ohne neugierige Blicke zu fürchten. Die Heckfenster sind zwischenzeitlich sowieso so schmutzig, dass kein Durchblick mehr möglich ist.
Durch schöne und abwechslungsreiche Landschaften fahren wir weiter.

km 3880 – 06.10.2004 – 0:30 Zwei  Stunden allgemeine Schlafpause auf einem bewachten TIR-Parkplatz im Ural. Wir befinden uns immer unterhalb der Baumgrenze. Alles ist inzwischen gut eingespielt, um schnell aufzubrechen. Weil es heute so kalt im Auto ist, beeilen wir uns noch mehr: Schnelles Aufstehen, das Auto anlassen, anziehen und los. Als ich unsere Gardinen öffne, will ich meinen Augen nicht trauen: Schnee auf den Scheiben, auf unseren Autos, Schnee überall. In der Nacht hatte es ca. 3 cm Neuschnee gegeben. Wir haben Glück, es ist Matschschnee und so bleibt uns das Aufkratzen der Scheiben erspart. Die Straßen haben eine leichte Schneedecke, die Bäume weiße Mützchen, aber die Straße ist nicht glatt. Gefrühstückt wird später, wenns hell und etwas wärmer ist.

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Kirgistan 2004: Die Fahrt bis Moskau

Nach arbeitsreichen Endspurttagen sind pünktlich am Freitag, 01.10.04 beide Wagen einsatzbereit.  Nun nehmen wir Abschied von unseren Familien, die sich schon jetzt nach unserer Rückkehr sehnen und etwas ängstlich und entnervt unser Vorhaben begleiteten. Und nun legen wir unsere Reise und ihr Gelingen in die Hände unseres Herrn und bitten um seinen Segen für uns und die Daheimgebliebenen.

Endlich können wir abends um 21:30 starten. Jedenfalls denken wir das, aber da streikt der von uns gefahrene weiße Sprinter. Die beiden laufenden Kühltaschen haben die Batterie des Autos leergezogen und wir müssen das Auto anschieben.

Schlappe 6500 km trennen uns von unserem Ziel Tokmak in Kirgistan!

Kirgistan 2004: Die Fahrt

StepMap Kirgistan 2004: Die Fahrt

Völlig ruhig, problemlos und auf guten Straßen geht’s ab Bad Oynhausen auf der E30 vorbei an Berlin nach Frankfurt/Oder zum Grenzübertritt nach Polen. Als es dann am 02.10.04 hell wird, befinden wir uns schon bei

km 783 in Posen. Was wir nun vom Auto aus sehen können, kommt uns erstaunlich vertraut vor. Die Strasse führt durch ein großes Industriegebiet. Hier sind all die Firmen angesiedelt, die auch bei uns Rang und Namen haben, wie Opel, Volvo, Ikea, Grohe, MAN usw. Das AUDI-Verkaufsgebäude ist im gleichen Design – Branding weltweit – wie bei uns. Die überdimensionierten Reklameschilder an der Ausfallstraße erinnern uns an Israel, Spanien oder an Filme aus den USA.

Bei optimalem Wetter verläuft unsere Fahrt völlig reibungslos. Obwohl, das LKW-Aufkommen Richtung Osten hat in den letzten Stunden extrem zugenommen.  Unsern ersten „Stau“ erleben wir in der Einfahrt zu einem mit LKWs überfüllten PKW-Parkplatz.

Leider hat unser weißer Sprinter nur 75 PS und zwischen den LKWs so seine Schwierigkeiten, was im späteren Verlauf der Reise noch zu einigen Problemen führen wird, denn der „Rote“ ist ein echtes Kraftpaket. Bei schönem Wetter geht die Fahrt durch äußerst flaches, fruchtbares Ackerland, unterbrochen durch verstreut liegende kleine Laubwälder. Wir fahren durch schöne Alleen, gesäumt mit altem Baumbestand.

km 874 – Frühstück zwischen LKWs auf einem gepflegten Rastplatz. Ein kleines, sauberes Toilettenhäuschen bietet uns die Möglichkeit zur Morgentoilette. Alles prima, das Wetter so sonnig wie die allgemeine Stimmung, lediglich das Kochen des Kaffee klappt nicht. Alexanders 12 Volt „Kaffeemaschine“ ist zum  Brühen von 8 Tassen völlig ungeeignet. Also, entweder steigen wir auf Tee um oder Brühen den Kaffee demnächst filterlos.

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km 1079 – 12:30 Unsere Fahrstrecke führt an Warschau vorbei. Die Landschaft rechts und links der Straße erinnert mich nun an das „Alte Land“ – Obstplantagen soweit das Auge reicht – Äpfel, Birnen und Pflaumen werden am Straßenrand zum Kauf angeboten.

km 1130 Wir passieren Minsk und legen in einem sehr westlich geprägten Selfservice-Restaurant eine etwas verspätet Mittagspause ein. cimg0007_2134438790_oAn Stelle von Burgern und ähnlichem, wird hier, mit Ausnahme von Hotdogs, landestypische Kost angeboten. Dirk setzt auf Sicherheit und wählt Hotdog, natürlich ohne Zwiebeln, wir wählen Omelette mit Pilzen und das ist eindeutig die bessere Wahl. Und, um unseren Koffeinspiegel wieder ins Lot zu bringen, beenden wir unsere Mahlzeit mit einen wirklich guten Espresso. Mineralwasser haben wir mehr als genug an „Bord“!

km 1288 – 17:00 wir überqueren bei Nieselregen den Fluss Bug. Und schon verlassen wir Polen und Dirk und ich sind sehr gespannt, wie die Grenzkontrolle zur Einreise nach Belarus sein wird.

Im Nachhinein kann ich nur sagen, jeder Grenzübertritt bietet uns ungeahnte neue Erkenntnisse. Gleich war allen das Raubrittertum und die Korruption, denen wir jedes Mal auf Neue begegneten. Um das noch einmal in Erinnerung zu bringen, wir verfügen sowohl über gültige Personalpapiere mit den notwendigen Visa als auch über gültige Fahrzeugpapiere. Daneben befinden sich in unseren PKWs weder Schmuggelware, Drogen u.ä., sondern lediglich die für die Reise notwendigen Lebensmittel zur Selbstversorgung, Geschenke und der für 14 Tage notwendige persönliche Bedarf an Bekleidung und Hygieneartikeln und Medikamenten. Interessant ist, die Gründe, warum wir „abkassiert“ werden, von Grenze zu Grenze wechseln. Immer ist etwas anderes zu bemängeln und immer ist die Bemängelung inkorrekt. Der Phantasie und Kreativität unserer Kontrolleure ist jedenfalls Beifall zu zollen. Das Ganze erinnerte uns immer wieder an die Geschichte von Zachäus dem Zöllner aus dem Neuen Testament, der sein Vermögen schon damals durch unzulässiges Abkassieren der Grenzgänger erwirtschaftete.

18:45 Wir befinden uns noch immer im endlos erscheinenden Grenzübertritts-Prozedere. Immer neue Beamte legen immer neue Vordrucke, mit der „Bitte“ diese korrekt auszufüllen, vor. Und immer wieder wird etwas Neues bemängelt und wie selbstverständlich gleichzeitig die Zahlung von erheblichen „Gebühren“ – man könnte bösartig auch Schmiergeld sagen – verlangt. Die Höhe des „Schmiergeldes“ richtet sich nach dem Wert unseres Gepäcks und unseres Bargeldes. Also, wohin mit dem „teuren“ Geld, das wir auf keinen Fall deklarieren wollen? Gut, das mir da Oma’s „Strickstrumpf“ einfällt. Wie passend, ich stricke gerade Socken und es ist kein Problem, das zusammengerollt Geld im angefangenen Knäuel zu verstecken. Und das alles mehr oder weniger unter den gestrengen Augen – Videoüberwachung – der Raubritter. Wozu man Strickzeug so alles gebrauchen kann 😜. Bei jeder folgenden Rast erinnert mich Helene an die Mitnahme meines Strickzeugs, wir stricken ja so gerne 😂.
Ich weiß wirklich nicht, wie viel Beamte am Ende mit uns beschäftigt sind und in wie viele Grenzhäuschen Alexander laufen muss. Einer der Beamten hat die geniale Idee, dass der Besitz von 2 PKWs in Belarus verboten ist – Kostenforderung 500 € -. Nach zähen Verhandlungen, völlig auf sich gestellt, denn Helene wird einfach beiseite geschoben, schafft Alexander die Angelegenheit mit deutlich niedrigere Wegezoll aus dem Weg. Nun fallen dem Nächsten – nein „der“ Nächsten – unserer blühenden Pflanzen ins Auge und prompt: die Einführung von lebenden Pflanzen ist verboten. Kurzerhand werden unsere schönen Blumen konfisziert. Gut, dass die mitgeführten Narzissen- und Tulpenzwiebeln gut verpackt in unseren Stapelkisten liegen. Wir hoffen, dass unsere schönen Blumen in gute Hände kommen. Dann folgt noch etwas besonders kurioses. Nach Beendigung der Kontrollen, fordert ein schwarz, sehr förmlich gekleideter Mann Alexander, Dirk und 6 andere Fahrer importierter PKWs auf ihm zu folgen. Die Gruppe überquert den großen Platz und betritt das Hauptgebäude. Im Flur nimmt der „Schwarze Mann“ einen Fahrer beiseite und beauftragt ihn, von jedem 1 € zu kassieren und das Geld dann bei ihm abzuliefern. Danach marschieren alle zum Grenzcontainer zurück.
Dirk und ich haben ein äußerst schlechtes Gewissen, denn all der Grenzstress ruht alleine auf Alexanders Schultern.

Direkt hinter der Grenze telefoniert Alexander mit dem in Brest wartenden 5. Fahrer – Junus -. Nach kurzer Wartezeit kommt Junus ohne sein Gepäck mit einem Taxi zu unserem Standort. Warum Junus sein Gepäck nicht mitbringt ist uns schleierhaft. Zu allem Überfluss kennt er sich in Brest nicht aus und so bittet Alexander den Taxifahrer uns zum Übernachtungsplatz unseres neuen Wegbegleiters zu schleusen. Es ist ein kleines Haus in einem Vorortbezirk, das offensichtlich „PKW-Überführern“ bei ihrer Durchreise nach Kirgistan als Schlafstelle dient, eine typische Männerwirtschaft. Uns wird angeboten dort zu Abend zu essen und zu übernachten, um am nächsten Morgen zusammen mit den anderen im Konvoi weiterzufahren. Wir packen unsere mitgebrachten Lebensmittel aus und essen in der winzigen, schmutzigen Küche zu Abend. Nach kurzer Lagebesprechung, lehnen wir das Angebot dankend ab. Zurück geht’s auf die E 30, an Minsk vorbei in Richtung Moskau. Nach einem Tankstopp fahren wir auf einer 4-spurigen, unbeleuchteten, leeren Straße vorweg. Plötzlich, ohne jede Vorwarnung, stehen 3 dunkelrote Betonabsperrungen quer auf beiden Spuren. Das zwingt Dirk zu einem abrupten Brems- und Lenkmanöver, und wir werden gewaltig durchgerüttelt, kommen jedoch schadlos, jedoch mit einem gewaltigen Schrecken davon. Lange sind wir unsicher, ob wir nun auf der richtigen Spur weiterfahren.

km 1860 – 03.10.04 – 6:30 Nach kurzer Schlafpause – zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit – geht’s unrasiert und fern der Heimat zur nächsten Grenzkontrolle.
7:30 beginnt das Grenzprozedere mit einer Polizeikontrolle, danach Ausreise Belarus und Einreise in die russische Föderation.
8:50 sind wir wieder „on tour“! Puh, dass ging unerwartet flott 😏.
9:00  Outdoor-Frühstück auf dem Parkplatz einer kleinen Fernfahrer-Raststätte. Draußen wird Schaschlik auf dem Grill gebraten. Schaschlik zum Frühstück ist nicht so unser Ding, wir frühstücken lieber typisch deutsch mit Brot, Butter, Käse und Marmelade.


Heute gibt’s Tee und als Bonbon eine Latte Macchiato. Unser Dungane Junus steuert von seinem Reiseproviant, gebratenes Hühnchen und eine Dauerwurst bei. Nach dem Frühstück machen wir erste Bekanntschaft mit den Außentoiletten, die uns nun auf der ganzen Reise – mal ordentlich sauber, mal nicht benutzbar – begleiten werden.
Unterwegs am Straßenrand werden an kleinen provisorischen Ständen eimerweise Äpfel zum Kauf angeboten. Leider haben wir selber noch mehr als genug, so ist mit uns kein Geschäft zu machen🙄.

Km 2210 – 14:15 MEZ – 16:15 Moskauer Zeit Mittagspause auf einem Parkplatz ist angesagt. Unser dunganischer Wegbegleiter besteht auf schnelle Weiterfahrt und so bleibt die Küche kalt. Das Angebot am Straßenrand hat sich inzwischen deutlich vergrößert, neben Äpfeln werden nun auch Pilze, Honig u.a. zum Kauf angeboten. Heute ist Sonntag und es scheint, als wären viele Moskauer in den Wäldern zum Pilze sammeln unterwegs. Am Straßenrand sehen wir einige Wochenendsiedlungen mit kleinen Datschen und wir überlegen, ob die Häuschen begüterten Moskauern gehören? Je näher wir Moskau kommen, umso dichter wird der stadteinwärts fahrende Verkehr. Die eigentlich  vierspurige Zufahrtsstrasse wird auf unserer Seite mittlerweile vierspurig genutzt. Der mit zwei durchgezogenen Linien gekennzeichnete Mittelstreifen wird völlig ignoriert, was wiederum bedeutet, dass die 2. Spur der Gegenseite von unzähligen „Geisterfahrern“ stadteinwärts genutzt wird. Außerdem wird zusätzlich der unbefestigte Randstreifen als Fahrspur genutzt. Unbeeindruckt läuft der Verkehr stadtauswärts zweispurig weiter.cimg0031_2133666867_o
Wir haben nicht daran gedacht, dass, wie überall auf der Welt auch in Moskau, die Städter bei schönem Wetter hinaus aufs Land fahren. Schlechtes Timing durch uns, wir stecken in der Stadtheimkehrer-Rushhour. Ein kurzes Stück führt unsere Strecke über einen Flughafenzubringer, bevor wir auf den mittleren Moskauer Ring abbiegen. Alexander erklärt uns, dass Moskau über insgesamt 5 Flughäfen verfügt. Moskau erscheint mir wie ein riesiger Moloch. Unzählige Trabantenstädte mit mächtigen Wohnsilos – ich zähle 28 und mehr Stockwerke – liegen rechts und links der dichtbefahrenen Durchgangsstraße. Dazwischen große Einkaufszentren mit uns vertrauten Namen wie OBI oder Ikea und natürlich die Vertretungen aller namhaften Autohersteller.

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Kigistan 2004: Die Verpflegung

Auf der langen Fahrt muss auch mal gegessen werden. Ob und wieviele „Autobahnraststätten“ am Wegesrand liegen ist unklar. Zu lange Garzeiten sprengen unser Zeitfenster, schnelle Küche ist angesagt. Leider gibt es da bei mir ein Allergieproblem, heißt, die handelsüblichen Fertiggerichte sind tabu. Folglich bleibt nur selber schnell kochen und da bieten sich u.a. Nudeln an. Nur was tun in Richtung Soße, immer Ketchup ist auch nicht so toll. Beim Marmelade kochen kommt mir dann die Idee Bologneser Soße auf dem gleichen Weg haltbar zu machen und ein Testversuch klappt prima. Und dann gibt’s ja auch diverse, schnelle Gemüsegerichte. Das Milchproblem ist mit Trockenmilch zu lösen. Außerdem hoffen wir, dass sich am Straßenrand Möglichkeiten für eine „warme Mahlzeit“ bietet. Rahim und seine Teams sind ja auch nie verhungert 😏.

Es bleiben Frühstück, Abendessen und die kleinen Kraftspender für zwischendurch. Ganz wichtig ist ein ausreichender Getränkevorrat, Trinkwasser für Tee, Kaffee, Kakao und Espresso und Mineralwasser. Gebraucht wird Brot, dass eine Woche haltbar ist und natürlich Schwarzbrot. Weiter geht’s mit Käse, Wurst, Müsli, Honig, Marmelade, Zucker, Salz usw. Da unser Hauptmahlzeit recht einseitig scheint, ist Obst wie Äpfel, Birnen, Bananen ein Muß. Unverzichtbar die Kraftspender und kleinen süssen Tröster, also her mit Studentenfutter, Müsliriegeln und anderen Schnuckereien. Unsere Bordküche wird echt gut bestückt. Für das notwendig „Werkzeug“ einschließlich einem Kartuschenkocher und meinem Espressokocher ist gesorgt🙃, Helene und ich sind voll in unserem Element. Unser alter Campingtisch wird von den Männern genehmigt, Stühle sind Luxus.

Am Mittwoch kaufen Helene und ich Marschverpflegung und Geschenke. Spätnachmittags sitze ich mit dem „ganzen Segen“ auf dem Fußboden im Gästezimmer und versuchte alles übersichtlich und platzsparend auf die  roten Stapelkisten zu verteilen. Lose Lebensmittel werden sicher in einfache Plastikdosen verpackt. Letztendlich muss mir Dirk abends noch beim Verpacken und Verstauen helfen. Die Geschenke packen wir so ein, dass sie den Zöllnern nicht sofort ins Auge fallen.

Helene weiß um die Blumenliebe von Rahim, also werden noch Topfpflanzen eingekauft und in Umtöpfe aus unseren gemeinsamen Beständen gesteckt. Mit allem beladen, fühlen wir uns wie fahrende Gemischtwarenhändler, denn unser Repertoire reicht vom Topfreiniger bis zur Haus-Wasserpumpe.

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Kirgisien 2004: Der rote Sprinter

Zwei Wochen vorm Abfahrtstermin sind Helene und ich überzeugt, alles im Griff zu haben. Die verbleibende Restzeit wollen wir für die „normalen“  Urlaubsvorbereitungen und dem Einkauf von Lebensmitteln und Geschenken verbringen. Aber weit gefehlt. Entgegen aller Erwartungen können wir dann doch Rahims und Alexanders Traumauto, den roten langen Sprinter, käuflich erwerben und nun werden alle Pläne noch einmal ordentlich durcheinander gewürfelt.

Abholen des Autos, Anmeldung etc. und die Überlegungen, wie nun die Fahrt zu gestalten ist. Und wieder kommt eine Idee aus Kirgistan. Rahim und sein Freund wollen einen gebrauchten VW-Bus aus Brest in Belarus nach Tokmak überführen. Wir müssten uns in Brest treffen und könnten von dort die Weiterfahrt mit drei Wagen und insgesamt sechs Fahrern fortsetzen. Uns Frauen wird sogar eine Übernachtung mehr versprochen und so sind alle gleichermaßen zufrieden. Doch, wie immer im Leben, kommt alles anders als geplant. Das Geschäft mir dem VW-Bus klappte nicht. Nun „maulen“ wir Mädel, denn nun gibt’s 2 Auto’s und lediglich 4 Fahrer.  Rahim verspricht uns einen fünften Fahrer nach Brest zu schicken.

Dann die „Inaugenscheinnahme“ des Autos und der Schock. Dieser Wagen ist ebenfalls sehr schmutzig, insbesondere die Polster bedürfen einer Grundreinigung. Also, in der Woche vor Reiseantritt, wieder munter mit Eimer, Schwamm, Dampfreiniger, Reinigungsschaum und Bürste ans Werk.

Eine technische Überprüfung, wie Prüfung der Bremsen, Ölwechsel usw. ist ebenfalls notwendig. Daneben wird eine Sprechfunkanlage installiert, um eine Kommunikationmöglichkeit zwischen den Fahrzeugen zu haben.

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Kirgistan 2004: Die Visa

O je, wer über deutsche Bürokratie stöhnt, der hat noch keine Visaanträge für die ehemaligen GUS-Staaten in der Hand gehabt. Wer mit wem, wann, wohin, Passbilder für die Anträge, Reiseroute, Grund der Reise, Angaben zum KFZ, Einladung von wem, Auslandskrankenversicherung – nur ganz bestimmte Versicherungsunternehmen finden Gnade -, Geburtsnamen der Eltern und … Selbstverständlich ist die Zahlung von „Eintritt“ für jedes durchreiste Land. Emails, werden mit Ausnahme der russischen Föderation, nicht beantwortet. Telefonische Anfragen laufen zum Teil über gebührenpflichtige Rufnummern.

Außerdem müssen wir das Pferd von hinten aufziehen, d.h. wir müssen mit dem Visa für das Zielland Kirgistan beginnen. Lediglich dieses Visum bekommen wir erstaunlich schnell. Bezüglich der anderen Visa wird meine Geduld auf die Probe gestellt.
Der Anfangserfolg lässt mich glauben, dass wir am 13.07.04 mit Visa von Kasachstan und Belarus zurück nach Hause kommen. Aber da habe ich mich völlig verrechnet. Helene und mir wird von einem äußerst unfreundlichem Mitarbeiter unmissverständlich klar gemacht, dass die Pässe am 15.07.04 in der Botschaft von Kasachstan abgeholen können. Einwendungen sind zwecklos und uns fehlt für einen Bestechungsversuch der Mut und das Geld ;-). Wir starten den Versuch in der Botschaft von  Belarus die vorbereiteten Visaanträge zwecks Prüfung abzugeben, damit am 15.07.04 nur noch die Visa Pässe gestempelt werden müssen – leider ergebnislos -. Der Amtsschimmel wieherte und freute sich, ich bin total begeistert und ahne, dass noch viele Fahrten nach Bonn anstehen.

15.07.04 Tatsächlich sind wir am Ende des Tages im Besitz der kasachischen Visa. Wie uns Helene und Alexander erzählen, konnte der Beamte die Anträge nicht finden, obwohl sie ganz offen auf seinem Schreibtisch lagen. Hinweise wo die Pässe zu finden sind wurden ignoriert. Erst nachdem der Beamte mehrfach vergeblich eine Kiste mit Anträgen durchwühlt hatte, folgte er Alexanders Rat, doch einmal auf dem Schreibtisch nachzuschauen. Und siehe da, da lagen unsere unbearbeiteten Anträge. Unbearbeitet, weil Kopien der kirgisischen Visa nicht beigefügt waren. Warum, sie waren doch als Original im Pass. Nach langem, guten Zureden konnte Alexander den „freundlichen“ Beamten überreden 😡 seinem Kopierer zu benutzen. Gesagt und tatsächlich getan, bedurfte es weniger Minuten um die Visa in die Pässe zu stempeln. Anschließend schafften die beiden es tatsächlich noch zur Botschaft von Belarus. Dort fordere man für eine prompte Bearbeitung pro Personen einen Geschwindigkeitszuschlag von 25 €. 100 €, das wäre ein schönes Abendessen für uns vier und so beschlossen die Beiden, die Anträge auf dem Postweg zu stellen.

16.07.04 Der erste Versuch bei der russischen Föderation wird durch Alexanders Bruder gestartet, denn der hat dort selbst einen Termin. Man erklärt ihm, dass Helenes und Alexanders Nachweise über eine abgeschlossene Auslandskrankenversicherung nicht den Formvorschriften entspricht und es muss die exakte Reiseroute im Antrag eingetragen sein. Also alles wieder zurück nach Halver zur Korrektur.

Ende Juli 04 Zweiter Versuch bei der russischen Föderation. Alle Unterlagen komplett und in Ordnung; die Reiseleitung kann die Anträge abgeben. Termin zur Abholung ist der 04.08.04.

04.08.04 Russische Föderation zum Dritten. Die Pässe sollen heute  fertig sein. Fast ohne mich zu verfahren finden wir die Botschaft. Vor dem Gebäude eine Menschenansammlung, o je. Aber wir befolgte Alexanders Rat, gehen schnurstracks bis zum Eingangstor im Sicherheitszaun und sagen unser Zauber-Sprüchlein auf: “Ich soll heute meine Transitvisa am Schalter 7 abholen“. Und  – Simsalabim – wird uns geöffnet. Der Warteraum ist voll, aber am Schalter 7 stehen lediglich 7 Leute. Bis wir endlich dran sind, vergeht dann doch fast eine Stunde. Alles geht langsamer, als nach meinem Geschmack notwendig, aber „Gemach, Gemach“. Dafür ist der Botschaftsbeamte sehr freundlich, jedenfalls dann, wenn der Kunde seine Kriterien erfüllt: jung, hübsch, attraktiv und dem Personal bekannt. Sind sie erfüllt gibt’s als Beigabe zusätzlich zum Visa noch etwas Prosa in Gedichtform. Wir erhalten unsere vier Pässe ohne Prosa –  Kriterien nicht erfüllt 😥. Aber wir sind glücklich, denn eigentlich ist die offizielle Passausgabe von 12.00 bis 13.00 Uhr bereits überschritten, juchhu!!! Jetzt fehlen nur noch die Visa von Belarus!

24.08.04 Alexander holt unsere Pässe ab, um den postalischen Versuch bei der Botschaft von Belarus (Weißrussland für Uninformierte) zu starten. Und tatsächlich klappt’s, nach einer angemessenen Wartezeit liegen auch die letzten fehlenden Visa vor. Endlich ist der Punkt Bürokratie abgehakt. Doch da irren wir gewaltig!

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Kirgistan 2004: Das Auto

Langsam sickert durch, dass die Idee mit der Autofahrt eigentlich aus Kirgistan stammt. Dort lassen sich alte Mercedes Sprinter gut vermarkten und so wäre für unseren Gastgeber mit dem Verkauf ein kleines Geschäft zu machen. Also machen sich Alexander und Dirk im Internet auf die Suche nach einem passenden Sprinter. Lang und hoch soll er sein, nicht zu neu soll er sein, ein paar Jährchen auf dem Buckel sind gewünscht, gut erhalten und fahrtüchtig soll er sein und wenn er dann noch rot wäre, dann wäre es das Traumauto. Unsere Anforderungen wirken dagegen recht bescheiden, für uns zählt eigentlich nur eins, der technisch einwandfreie Zustand.

Der Zufall scheint uns zu helfen, denn ein Kunde von Dirk will seinen roten, langen Sprinter verkaufen. Alles scheint zu passen, doch dann die große Enttäuschung, die Lieferung des bestellten erdgasbetriebenen Neuwagens verzögert sich. Also geht die Sucherei wieder von vorne los. In Düsseldorf werden wir endlich fündig. Doch zu Rahim’s Enttäuschung, dieser Sprinter ist kurz und weiß!

Und jetzt der Teil für die interessierte Hausfrau ☺. So ein versifftes Auto habe ich bisher noch nicht gesehen. Der Boden ist völlig verschmutzt und bedeckt mit Sand, Dreck, Zement, Kronkorten, Kippen und vielem mehr. Und ohne Zweifel ist es ein Raucherauto, Wände und Decke sind braun und das ganze Auto riecht nach Zigarettenqualm. Putzen zum Ersten, Zweiten und Dritten ist angesagt. Also her mit Dampfreiniger, Eimer, Schwamm und Lappen und los geht’s. Echt ekelig, was sich da für eine „Suppe“ ablöst. Zement und Dreck sind letztendlich noch der sauberste Schmutz 😡. Endlich es ist geschafft und das Auto hat „wieder Grund“ wie meine Oma sagte.

Der Innenausbau

Die vordere Doppelbank wird gegen einen bequemen Sitz vom Schrottplatz ausgetauscht. Unterm Dach werden Dämmmaterial und Platten angebracht, um den Geräuschpegel etwas zu senken. Für die Heck- und Seitenscheiben nähe ich Sonnen- und Sichtschutzgardinen und, als Trennung von Schlaf- und Fahrraum, arbeite ich einen alten, dicken Vorhang um und versehe ihn mit Taschen für Brillen und andere Kleinigkeiten. Die gesamten Polster werden mit dem Hochdruckreiniger und anschließend mit Teppichschaum und Bürste kräftig bearbeitet und „schon“ riecht das Auto frisch und sauber.

Dem Erfindungsreichtum unserer Männer sind keine Grenzen gesetzt. So wird der hintere Teil zu einem Vorratslager, über das dann tatsächlich ein Bett mit Lattenrost eingebaut wird. Unser Metzger schenkt uns gebrauchte Stapelkisten, die wir als Stauraum für unsere Vorräte, Haushaltsgegenstände und Geschenke benutzen können. Allerdings müssen sie vorher einer gründlichen Generalreinigung unterzogen werden. Eine Sauarbeit, die Helene da vor sich hat. Alles wird nun passgenau eingebaut und ist schön übersichtlich.

Ganz besonders wichtig für die lange Fahrt ist der technische Check des Wagens – Bremsen, Ölwechsel, Lichtanlage usw. – durch unsere Männer. Zu guter Letzt wird noch Teppichboden innen an die Seitenwände geklebt und auf den Boden gelegt. Unser Auto ist reisefertig!  Dieser Arbeitspunkt ist abgehakt  – denken wir, aber…

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Kirgistan 2004: Die Terminplanung

Nach Auskunft der Reiseleitung ☺ liegt der letztmögliche Abreisetermin Ende September/Anfang Oktober, um rechtzeitig vor Wintereinbruch den Ural zu queren. Kurz entschlossen canceln wir die Teilnahme am „Halveraner Herbst“ und Alexander und ich stellen unsere Urlaubsanträge. Bei mir gibt es wegen der anstehenden Wahlen ein paar Probleme, aber zu guter letzt klappt alles. Also los geht’s mit den Vorbereitungen.

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Kirgistan 2004: Die Idee

Ja, wie kommt man auf die Idee nach Kirgistan zu reisen? Da gibt so einiges im Vorfeld, die Erzählungen unser Freunde Helene und Alexander über ihre alte Heimat, ihre Bilder die uns neugierig gemacht haben, die Berichte über die Hilfstransporte in die Ukraine, an denen Helene und Alexander teilgenommen haben und dann gibt es die aktuelle Einladungen von Rahim zur Hochzeit seines Sohnes. Rahim, der kirgisischen Freund von Alexander, kommt seit vielen Jahren nach Deutschland um PKWs und später LKWs zu kaufen und dann möglichst mit Fracht nach Kirgistan zu überführen. Und so sind die „Verursacher“ dieser schönen, unvergesslichen Reise schnell gefunden.

Konkret wird es dann Ende 2003 als Alexander sagt: „Die Hochzeit ist im September geplant. Wollt ihr und könntet ihr so früh los?“ Nun steht die Frage im Raum und Dirk und ich sind am Zug. 14 Tage nach Kirgistan, keine Sprachkenntnisse, Unterbringung in einer Familie, die wir nicht kennen und keinerlei Ahnung über Land und Leute, wollen wir das wirklich? Und JA, wir wollen, denn wenn nicht jetzt, wann dann und wann bekommen wir noch einmal die Möglichkeit dieses Land so hautnah zu erleben. Aber … September ist zu früh!

Als Reisezeit wird dann der Herbst 2004 anvisiert. Anfang des Jahres überrascht uns Alexander mit der Frage: „Könnt ihr euch die Hinfahrt „per Achse“ vorstellen?“ Eine unerwartete Herausforderung, eine Reise durch 4 Ostblockländer mit entsprechenden Grenzübertritten und Visapflicht für alle zu bereisenden Länder. Gibt es Übernachtungsmöglichkeiten auf der Strecke, wie ist das eigentlich mit der Sicherheit und vieles mehr. Als „Krönung“ für uns Fahrmuffel, denen schon die 450 km zu unseren Kindern in Bayreuth zu weit sind, 6500 km Reisestrecke. Wir sind beides, besorgt und interessiert zugleich – wie ist so ein Grenzübertritte im Bereich des Ostblocks, wie ist die Landschaft, was erwartet uns und … unsere Neugier überwiegt. Die Entscheidung steht, wir werden diese Reiseidee Wahrheit werden lassen. Reiseleitung und Auswahl der Fahrstrecke legen wir in Alexander’s erfahrene Hände.

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