Suchra und ihre beiden Töchter

Ein paar Wochen nach unserer Rückkehr erzählten  Helene und Alexander, dass Suchra wieder im Haushalt ihrer Eltern lebe. Natürlich sind wir völlig überrascht und wollten wissen, was passiert ist. Nach dem, was wir im Urlaub gehört hatten ist so etwas doch eigentlich unmöglich. Nach dunganischer Tradition doch ein voll kommendes  „no go“.

Und nun erzählen uns die Beiden, dass sowohl der Schwiegervater als auch  Suchra’s Ehemann spielsüchtig sind. Beide hätten um ihre Sucht zu finanzieren den Brautschmuck – die einzige Sicherheit der jungen Frau – an sich genommen und den Erlös verspielt. Der Onkel vom Suchra – der mit der „Autobahnraststätte“ (hinter vor gehaltener Hand war uns erzählt worden, dass dieser Onkel früher Verbindungen zum KGB gehabt hätte) – hätte die Angelegenheit in die Hände genommen und seine Nichte aus der Familie herausgeholt. Auch die notwendigen formalen Dinge hätte der „Patenonkel“ geregelt.

Und prompt kommt von uns die Frage, was aus den kleinen Mädchen wird. Irgendwo hatte ich mal gehört, oder vielleicht gelesen, dass die Kinder zur Familie des Vaters gehören. Fakt ist, sind es ja „nur“ zwei kleine Mädchen. Alexander erzählte uns, dass Rahim am Telefon gesagt hätte er wolle auf jeden Fall darauf bestehen, dass Lieselotte bei der Mutter bleibt. Hinsichtlich der kleineren Tochter sei er sich nicht so sicher. Das konnte Alexander natürlich so nicht stehen lassen und er habe seinem Freund und Bruder sehr ins Gewissen geredet. Am Ende des Telefonats war alles okay, beide Mädchen sind beim Opa herzlich willkommen. Jetzt interessiert uns natürlich, wie es nun mit Suchra weiter geht? Das ist wirklich ein Problem für Rahim, denn nun liegt die Versorgungslast für die drei bei ihm. Der Brautschmuck ist verspielt, Suchra hat keinen Beruf erlernt, ergo keine eigenes Einnahmen und sie ist obendrein ohne den „Schutz“ eines Ehemanns. Und schon werden wir aufgeklärt, dass normalerweise die jungen Frauen zu Absicherung möglichst schnell wieder verheiratet werden. Aber in so gelagerten Fällen ist das Angebot nicht wirklich toll, entweder ist der heiratswillige Kandidat schon recht alt oder es gibt ein Angebot als Zweitfrau. Beides erscheint mir alles andere als erstrebenswert. Nun ist Alexander wieder gefordert. Er führt ein weiteres ernstes Gespräch mit Rahim und bittet ihn seine Tochter nicht in eine erneute überstürzte Ehe zu zwingen, sondern ihr Zeit zu lassen einen Mann nach ihrem Wunsch zu wählen. Wir vier hatten vorher besprochen, dass er Rahim für eine Übergangsphase etwas finanzielle Unterstützung anbieten darf. Und auch jetzt gelingt es Alexander seinen “ Bruder“ zu überzeugen. Suchra bleibt mit ihren Mädchen vorerst im Haushalt von Ayscha und Rahim. Sie ergreift die Initiative und beginnt im Kundenauftrag zu nähen und so ihr eigenes Geld zu verdienen. Bei folgenden Telefongesprächen und in den nächsten Jahren folgenden Besuchen in Deutschland erzählt Rahim stolz von seiner geschäftstüchtigen Tochter und der Vergrößerung von Suchra’s „Geschäft“. Erst näht Suchra alleine, später hilft Rosa mit und bei Bedarf helfen auch Frauen aus der Nachbarschaft. Im Anfang wird auf Hobbymaschinen – meine landete auch in Kirgistan – und später auf Profimaschinen genäht. Super!!!  Erst viele Jahre später heiratete Suchra zum zweiten Mal und angeblich hat sie ihren Ehemann selber ausgewählt. Die Näherei wird inzwischen von Rosa weitergeführt.

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