Korsika 2017: George de l‘Asco – Montifao – Haut Asco – Moriani Plage

Bildschirmfoto 2017-11-07 um 19.19.08Di 19.09.   51km   19,50€

Unsere erste Tour führt in die herrliche Bergwelt Korsikas. Ausgeruht und bei herrlichem Sonnenschein geht es ins George de l‘Asco. Kurzer Stopp an der aus dem XII. Jahrhundert stammenden Kathedrale Santa Maria Assunta „La Canonica“ – leider verschlossen -.

 

Durchs Golotal fahren wir hinein ins Gorge de l’Asco. Bimo braucht einen Versorgungsstopp und so quartieren wir uns auf dem Campingplatz Tizarella in Moltifao ein. Kurzer Rundgang über den ursprünglichen Platz und hinunter zum Gebirgsfluss. Dort geht‘s ein Stückchen entlang und „durchs“ Flussbett des Asco. Der Himmel zieht sich zu, also eilig zurück. Gerade rechtzeitig vor einem heftigen Hagelschauer sind wir wieder im Bimo.

 

Das kleine Restaurant auf dem Platz ist leider geschlossen – Saisonende 😒 – aber im Dörfchen unterhalb soll es eine Pizzeria geben. Und so „wandern“ wir, mit Taschenlampe und Regenzeug ausgestattet, die Straße entlang ins Dorf. Tatsächlich gibt es eine kleine „Outdoor-Pizzeria“. Wir teilen uns die riesige, leckere „Pizza des Tages“. Gut gesättigt und im Stockfinsteren spazieren wir zurück zum Campingplatz und begegnen unterwegs nur einem Auto und ein paar Rindern.

Mi 20.09.   19km

Über eine enge, kurvenreiche Straßen fahren wir hinauf nach Asco. Nach einem kurzen Dorfrundgang, Einkauf in einer Dorfkooperative und einer Cappuccino-Pause geht’s weiter auf den Parkplatz am Mufflon-Haus – allerdings von Mufflons keine Spur 😏-. Dort verpassen wir den Einstieg auf den geplanten Wanderweg, aber „der Weg ist das Ziel“ und  so wandern wir über Wirtschaftswege zu einem Aussichtspunkt hoch über dem Asco-Tal (ca. 10 km).

Von dort bietet sich uns ein toller Blick Richtung Capu Larghia, Capu Rosso und Punte Minuta – unserem morgigen Ziel -. Wir sind mutterseelenallein hier und genießen die Stille und Einsamkeit. Zusammen mit ein paar Rindern 😄 übernachten wir auf dem Parkplatz.

Do 21.09.   69km

Hier oben werden Tal und Straße merklich breiter und so sind wir flott in Haut Asco. Wir wandern ein Stück über den Kultwanderweg GR20. Duch das „Niedergestrüpp“ geht es kontinuierlich bergan. Der Baumbestand lichtet sich bis auf wenige, dem Wind und Wetter trotzende, knorrige Kiefern. Wir erreichen das weit oberhalb der neuen Skiliftstation liegende Hochplateaus.

Alte rostige Pfeiler erinnern daran, dass sich auch hier oben mal eine Skipiste befunden hat. Über einen schlecht ausgezeichneten Pfad, der teilweise durch Erdrutsche unterbrochen wird, wandern wir zurück zum Parkplatz. Dort „stärken“ wir uns vor der Rückfahrt mit einem Cappuccino. Auf der Talfahrt hängt sich Dirk hinter einen LKW der Asphalt zu einer Baustelle oberhalb von Asco gebracht hat.

 

Dank dessen Fanfare, die vor jeder Kurve erschallt, kommen wir „rasant“ zu Tal 🙂.

Und schon wieder kein Baguette mehr im Schrank! Ergo kurzer Einkauf in Ponte Leccia. Beider Weiterfahrtmache ich Dirk auf tiefliegende Flugzeuge aufmerksam. Es halten auch schon die ersten PKWs am Straßenrand und so bleiben auch wir stehen. Der Verdacht bestätigt sich, es sind Löschflugzeuge. Der Brandherd liegt in Sichtweite in den Bergen. Wir sind weit entfernt, aber irgendwie ist da doch ein mulmiges Gefühl und wir sind froh, das wir uns immer weiter von dem Feuer entfernen.

Wir sind nun in der Castangniccia, ehemals, durch hier wachsenden Edelkastanien und die Mineralwasserquelle, die reichste Region Korsikas. (Das Mineralwasser Orezza ist schon unser ständiger Begleiter 😉 Über sehr schmale Straßen – Gott sei Dank mit wenig Gegenverkehr – fahren wir weiter zu unserem heutigen Übernachtungsplatz, dem Wanderparkplatz Monte San Petrone auf dem Col de Prato (985 m).

Fr 22.09.   58km   39,95€

Heute geht’s zurück ans Meer. Auf unserem Weg stoppen wir an der Ruine der Klosterkirche von Orezza  – zerstört im 2. Weltkrieg -.

 

 

Dirk kurbelt die Bergstraßen hinunter, fährt durch zwei kleine Tunnels – die Durchfahrt klappt  ohne „Dachschaden“ 😉- zur Cascade de l’Ucelluline. Diese ist jetzt leider wegen des herbstlichen Wassermangels nicht wirklich spektakulär.

Und weiter hinunter nach Moriani zum Camping Merendella. Der Abendspaziergang am Meer entlang, führt uns nach Padulella-Moriani-Plage. Abendessen gibt’s in einem Gartenrestaurant. Der Rückmarsch führt über die beleuchtete Strandchaussee zum Campingplatz.

Sa 23.09.   0km

Wir gönnen uns einen „faulen“ Strandtag auf dem Campingplatz.


Das Meer lockt selbst „Warmduscher“ wie uns, und so stürzen wir uns in die Fluten des Mittelmeers 👍.

Hier geht’s zum Fotoalbum!

Suchra und ihre beiden Töchter

Ein paar Wochen nach unserer Rückkehr erzählten  Helene und Alexander, dass Suchra wieder im Haushalt ihrer Eltern lebe. Natürlich sind wir völlig überrascht und wollten wissen, was passiert ist. Nach dem, was wir im Urlaub gehört hatten ist so etwas doch eigentlich unmöglich. Nach dunganischer Tradition doch ein voll kommendes  „no go“.

Und nun erzählen uns die Beiden, dass sowohl der Schwiegervater als auch  Suchra’s Ehemann spielsüchtig sind. Beide hätten um ihre Sucht zu finanzieren den Brautschmuck – die einzige Sicherheit der jungen Frau – an sich genommen und den Erlös verspielt. Der Onkel vom Suchra – der mit der „Autobahnraststätte“ (hinter vor gehaltener Hand war uns erzählt worden, dass dieser Onkel früher Verbindungen zum KGB gehabt hätte) – hätte die Angelegenheit in die Hände genommen und seine Nichte aus der Familie herausgeholt. Auch die notwendigen formalen Dinge hätte der „Patenonkel“ geregelt.

Und prompt kommt von uns die Frage, was aus den kleinen Mädchen wird. Irgendwo hatte ich mal gehört, oder vielleicht gelesen, dass die Kinder zur Familie des Vaters gehören. Fakt ist, sind es ja „nur“ zwei kleine Mädchen. Alexander erzählte uns, dass Rahim am Telefon gesagt hätte er wolle auf jeden Fall darauf bestehen, dass Lieselotte bei der Mutter bleibt. Hinsichtlich der kleineren Tochter sei er sich nicht so sicher. Das konnte Alexander natürlich so nicht stehen lassen und er habe seinem Freund und Bruder sehr ins Gewissen geredet. Am Ende des Telefonats war alles okay, beide Mädchen sind beim Opa herzlich willkommen. Jetzt interessiert uns natürlich, wie es nun mit Suchra weiter geht? Das ist wirklich ein Problem für Rahim, denn nun liegt die Versorgungslast für die drei bei ihm. Der Brautschmuck ist verspielt, Suchra hat keinen Beruf erlernt, ergo keine eigenes Einnahmen und sie ist obendrein ohne den „Schutz“ eines Ehemanns. Und schon werden wir aufgeklärt, dass normalerweise die jungen Frauen zu Absicherung möglichst schnell wieder verheiratet werden. Aber in so gelagerten Fällen ist das Angebot nicht wirklich toll, entweder ist der heiratswillige Kandidat schon recht alt oder es gibt ein Angebot als Zweitfrau. Beides erscheint mir alles andere als erstrebenswert. Nun ist Alexander wieder gefordert. Er führt ein weiteres ernstes Gespräch mit Rahim und bittet ihn seine Tochter nicht in eine erneute überstürzte Ehe zu zwingen, sondern ihr Zeit zu lassen einen Mann nach ihrem Wunsch zu wählen. Wir vier hatten vorher besprochen, dass er Rahim für eine Übergangsphase etwas finanzielle Unterstützung anbieten darf. Und auch jetzt gelingt es Alexander seinen “ Bruder“ zu überzeugen. Suchra bleibt mit ihren Mädchen vorerst im Haushalt von Ayscha und Rahim. Sie ergreift die Initiative und beginnt im Kundenauftrag zu nähen und so ihr eigenes Geld zu verdienen. Bei folgenden Telefongesprächen und in den nächsten Jahren folgenden Besuchen in Deutschland erzählt Rahim stolz von seiner geschäftstüchtigen Tochter und der Vergrößerung von Suchra’s „Geschäft“. Erst näht Suchra alleine, später hilft Rosa mit und bei Bedarf helfen auch Frauen aus der Nachbarschaft. Im Anfang wird auf Hobbymaschinen – meine landete auch in Kirgistan – und später auf Profimaschinen genäht. Super!!!  Erst viele Jahre später heiratete Suchra zum zweiten Mal und angeblich hat sie ihren Ehemann selber ausgewählt. Die Näherei wird inzwischen von Rosa weitergeführt.

Kirgistan 2004: Der Heimflug

Heute werden nach dem Frühstück die letzten Teile in die Koffer gepackt. Nach herzlicher Verabschiedung und einem Familienfoto geht’s mit Djuscha’s Bulli Richtung Flughafen. Am Manas International Airport sprechen uns sofort Männer in schwarzen Anzügen an. Für 10 Dollar nehmen sie unser Gepäck unter Ihre Fittiche. Das heißt, die Zollkontrolle sieht die Koffer nicht und folglich braucht auch nichts geöffnet oder ausgepackt zu werden!? Ohne diese Zahlung gäbe es wahrscheinlich viel Theater.  Dann haben wir noch genügend Zeit um etwas von Aischa’s vorbereiteten Sachen zu verzehren.

Nochmal  Verabschieden und dann geht’s locker durch die Zollkontrolle. Auf dem Flughafen stehen viele amerikanische Militärmaschinen (Afghanistan) und eine große russische Transportmaschine. Nachdem ein amerikanischer Kampfjet gestartet ist, heben wir um ca. 14 Uhr Ortszeit ab. Beim Start fällt der Vorhang runter, eine Rückenlehne läßt sich nicht arretieren – aber sonst läuft der Flug ganz normal. Nur zwei angetrunkene sächselnde Zeitgenossen meinen die Stewardess und eine junge Frau blöd anmachen zu können. Das wird aber nach kurzer Zeit von einigen stämmigen Russen unterbunden.

Die reine Zeit für die 5770 km lange Flugstrecke nach Hannover beträgt gut 6 Stunden. Da wir mit der Sonne fliegen, bekommen wir 4 Stunden geschenkt und sind schon um 16:30 Uhr durch den Zoll. Viktoria, die Tochter von Helene und Alexander, winkt schon. Jetzt noch die Koffer vom Gepäckband geholt und ab zum Auto.

Die jetzt noch vor uns liegenden 250 km können uns nicht schrecken!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Der ruhige Tag

Ich wache auf und freue mich auf einen ruhigen Tag. Es gibt tatsächlich nur eine einzige Einladung für Abend bei Rahims Bruder im Nachbarhaus 😏. Super, also ein ganz normaler Tag. Das Antibiotikum hat angeschlagen und Dirk’s Wange ist wieder abgeschwollen, dafür klagt er jetzt über Magenprobleme und bleibt erst einmal lieber im Bett. Das ist eine ganz schlimme Prüfung für Ayscha, denn sie  fühlt sich jetzt in der Pflicht Dirk zu verwöhnen. Und womit, natürlich mit etwas essbarem. Aber mein Mann verweigert standhaft sämtliche Speisen, selbst das leckere Fladenbrot, dass extra für ihn besorgt wird. Selbst den schwarzen Tee, der seinen Magen vielleicht helfen würde,  will er nicht. Ich versuche sie auf später zu vertrösten und ihn einfach schlafen zu lassen, was schließlich auch murrend akzeptiert wird. Helene und ich beginnen schon mal ganz gemächlich unsere sieben Sachen zu packen, denn Morgen ist Abflugtag. Unsere Reiseküchenausstattung, Campingtisch, Autoeinrichtung, Stapelkisten, das für eventuelle Autopannen vorgesehene Werkzeug und und und bleiben bei unseren Gastgebern. Auch unsere gutbestückte Reiseapotheke geht, nachdem Helene eine Kurzinfo über Anwendung und Disierung an Ayscha und Suchar gegeben hat, in die treuen Hände von Ayscha. Die wiederum möchte uns am liebsten Unmengen an Leckereien mitgeben. Auch der Hinweis auf limitiertes Fluggepäck kann sie in ihrem Tatendrang kaum stoppen. Mal sind es Melonen, dann wieder ein Glas selbsteingelegte Tomaten, dann Äpfel, oder vielleicht doch lieber das usbekische Fladenbrot, was sie anschleppt. Nur mit viel gutem Zureden kann Alexander sie überzeugen, dass wir all das nicht wirklich mitnehmen können.

Im Laufe des Tages trudeln all unsere Gastgeber der vergangenen Tage ein, um sich von uns zu verabschieden. Jeder hat ein Abschiedsgeschenk bei sich und wir sind nun doch tief beschämt über diese Gastfreundschaft. Diese Geschenke müssen natürlich mit und so machen wir uns schon Gedanken, was die Fluggesellschaft wohl zu unserem Übergewicht sagen wird.

Wir alle sind etwas schwermütig, denn, trotz all der Sprachschwierigkeiten, war während unseres gesamten Aufenthalts die liebevolle Zuwendung und Verbundenheit über alle religiöse und kulturelle Verschiedenheit spürbar. Wir sind so akzeptiert wie wir sind und wurden als Familienmitglieder behandelt. Es ging sogar so weit, dass Rahim seinen Freund Alexander, ganz egal in welchen Haushalt wir gerade aßen, aufforderte ein Tischgebet zu sprechen.

Trotz allem genießen wir diesen letzten Tag, Dirk hat sich auch wieder zu uns gesellt und wir alle lassen die letzten Tage noch einmal Revue passieren. Natürlich wird eine Einladung an unsere Gastgeberin ausgesprochen uns doch im nächsten Jahr in Deutschland zu besuchen. Die Männer denken schon über eine neue LKW-Überführung nach.

Und ganz schnell kommt der Abend und unsere letzte Einladung. Wir haben es heute nicht weit, brauchen nur über den Hof ins Nachbarhaus zu laufen. Dirk bittet, ihn zu entschuldigen, weil sein Magen immer noch rebelliert. Der Hühnerhof in dem gestern noch ein einsames Federvieh lebte, grüßt mit gähnender Leere. Und tatsächlich, es gibt geschmortes Geflügel mit Salzkartoffeln und Gemüse. Das sind nicht die vorgeschriebenen 10 Gerichte, aber wir drei sind für dieses „leichte“ Essen sehr, sehr dankbar. Nach einem gemütlichen Mahl wandern wir zufrieden zurück.

Natürlich versammeln wir uns ein letztes Mal im „Bühnenzimmer“, trinken schwarzen Tee und plaudern noch bis in die Nacht hinein. Den Film über die tatsächliche Hochzeitszeremonie haben wir allerdings nie gesehen.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Die Einladung bei Ali

Und auf geht’s zu Ali. Dirk betont bereits im Vorfeld, dass er nichts mehr essen kann und will. Schau’n wir mal, ob das klappt. Wir werden herzlich empfangen und gleich zu einer „Hausbesichtigung“ eingeladen. Besonders stolz ist der Gastgeber auf sein Badezimmer, allerdings ist die Toilette nicht angeschlossen und somit nicht zur Benutzung freigegeben. Der Anblick eines gedeckten Esstisches und Stühlen erfreut uns oder besser gesagt unsere geschundenen Knochen doppelt. Offensichtlich gehört auch Ali zu den Besserverdienenden. Das Gebäude ist für kirgisische Verhältnisse großzügig und in teilweise westlichem Tatsch eingerichtet. Neben einem westlich möbliertem Essbereich gibt es im Wohnbereich eine gemütliche Sitzecke und eine teilweise verspiegelte Decke. Wie üblich lebt auch diese Familie als Großfamilie zusammen. Die unverheirateten Töchter sowie zwei Söhne des Gastgebers leben mit ihren Ehefrauen und Kinder mit im Haus. Es tut mir so leid, aber wir vier sind einfach nur noch sprachfaul. Es ist nach den auf uns herabgeprasselten vielen Eindrücken der letzten Tag, nach den vielen Gesprächen und übersättigt durch die ständigen Mahlzeiten, auch kein Wunder. Ganz besonders bedauern Helene und ich die Gastgeberin, die sich soviel Mühe mit dem Essen gegeben hat, denn gegessen haben wir kaum etwas. Die Süßigkeiten werden extra für uns, wie Ali es bei seinen Besuchen bei uns in Deutschland kennengelernt hat, erst nach der Hauptmahlzeit gereicht. Das Tischgespräch dreht sich überwiegend ums Geschäft, die gestiegenen Kosten für die Miete und Unterhaltung der Marktcontainer und die wirtschaftlichen Veränderungen in Kirgistan. Selbstverständlich  interessieren auch hier die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und unsere allgemeinen Lebensverhältnisse. Da Ali mehrfach zu Gast bei Helene und Alexander war, werden natürlich sämtlichen Familienneuigkeiten ausgetauscht. Es war ein schöner Abend, allein die Gäste waren zu groggi 😒 um ihn wirklich genießen zu können.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Die Einladung bei Rosa’s Eltern

Mit vielen neuen Eindrücken fahren wir zurück nach Tokmak. Dort erwarten uns Rosa’s Eltern zum Abendessen. Heute ist „fein machen“ angesagt. Rahim erscheint im schwarzen Anzug mit Weste und … einem karierten Oberhemd. Ayscha in einem westlich geschnittenem engen, langen Rock, einem schwarzen bestickten Oberteil und einem Blazer. Auch wir geben alles 😁: Unsere Männer mit Krawatte, Helene (sowieso) und ich im Rock. Ganz klar soll bei dem Gastgeber Eindruck gemacht werden, da es sich um eine „besser situierte“ Familie handelt. Ayscha erzählt uns, das beide Großväter von Rosa Akademiker sind. Da ich mich vor einer weiteren Mahlzeit fürchte, versucht sie mich mit der Bemerkung, sie habe Rosa’s Mutter um ein kleines leichtes Essen gebeten, zu trösten. Doch dort angekommen erwartet uns die gleiche „Fressorgie“ wie gehabt. Es gibt sicher 20 oder noch mehr verschiedene Speisen. Alle lecker und sicherlich mit viel Liebe zubereitet, aber wie immer äußerst fett. Die Tasse mit der Hühnersuppe hat z.B. ein Fettauge, was jedoch die Tasse komplett und in Höhe von ca. 1cm bedeckt. Leider ist unsere Gastgeberin kaum zu sehen, da ihr ganz offensichtlich bei dieser Speisenflut kaum Zeit für „smalltalk“ blieb. Daneben kämpfte die Küchencrew mit einem Gasproblem. Die Gaszufuhr für den gesamten Stadtteil war seit dem Morgen abgestellt. Man erklärt uns, dass, sollte durch einen Haushalt die Gasrechnung nicht gezahlt werden, die Zufuhr für den ganzen Stadtteil abgestellt würde. Wie Rosa’s Mutter es geschafft hat, so ein reichhaltiges Essen zuzubereiten und warm zu servieren ist mir unter diesen Umständen schleierhaft. Wir versuchen so wenig wie möglich zu essen und Dirk hält sich an die Hühnersuppe, die muss er nicht beißen.

Er kämpft bereits seit Tagen mit Zahnschmerzen und seine Wange ist deutlich geschwollen. Also habe ich ihm heute morgen aus unserer Reiseapotheke Antibiotikum verordnet. Wir hoffen, dass er so einen Besuch beim kirgisischen Zahnarzt vermeiden kann. In Deutschland ist Zahnarzt ja schon schlimm genug 😏, aber hier!?

Und das hier ist noch nicht die letzte Einladung für heute.

Trotz Zahnschmerzen und einem üppigen Essen bedauern wir es nach 2 Stunden mit interessanten Gesprächen in fröhlicher Runde wieder aufbrechen zu müssen. Beim Abschied wird auch hier eine Einladung für den nächsten Sommer ausgesprochen.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Der Ausflug nach Bischkek

Ein Ausflug nach Bischkek steht auf unserem Programm und direkt nach dem Frühstück geht’s los. Mit von der Partie sind unsere Gastgeber und Djuscha mit Frau und Sohn Ajupp.

Unsere beiden dunganischen Frauen sind bester Stimmung, denn Familienausflüge wie dieser sind für sie außergewöhnlich. Ungeplant wird ein Besuch bei Ayschas Bruder eingeschoben, der ein kleines „Autobahnrestaurant“ vor den Toren von Bischkek betreibt. Sofort bietet er uns an beim Büro seines Sohnes in der Stadt vorbeizufahren, um von dort in Deutschland anzurufen.

Vor den Toren von Bischkek wechselt das Straßenbild abrupt von der bisher dörflich-ländlichen Bebauung mit den typischen kleinen Häuschen, in städtische Bebauung mit großen Werbetafeln für überwiegend westliche Produkte (Coca Cola, Wella, Maggie usw.). Auch in den Schaufenstern der Geschäfte sehen wir ein westlich orientiertes Angebot. Es gibt Straßencafes wie bei uns zu Hause, in denen auch westlich modisch gekleidete junge Frauen sitzen.

Ayschas Neffe betreibt an einer Hauptstraße einen Internetshop, in dem gegen Gebühr gesurft oder eben via Internet ins Ausland telefoniert werden kann. Der Laden ist gut besucht. „Yuppies“  scheinen auf der ganzen Welt gleich auszusehen – Business-Outfit halt. Die jungen Frauen tragen dunkle Hosenanzüge oder Kostüme, die jungen Männer stecken in dunklen Anzügen. Der junge Mann ist ein typische Vertreter dieses Stils, dunkle Hose mit Boss Sigh und weißes Oberhemd. Er ist freundlich, höflich, erscheint in seinem Bereich kompetent und spricht mehrere Sprachen. Natürlich schreiben wir Gerrit eine Email, wobei die Tastatur für mich echt  gewöhnungsbedürftig ist. Dennoch kann ich den „Herrn des Hauses“  mit meiner Anschlagzahl begeistern. Dirk kann es sich nicht verkneifen dem jungen Geschäftsmann stolz sein „Enkelkind“ – gartentechnik.de – zu präsentieren. Ayschas Neffe erzählt, dass sein Freund in Bochum an der Uni studiert und er ihn vielleicht im Dezember wieder einmal besuchen möcht. Europa habe ihm bei seinem letzten Besuch sehr gut gefallen, er hätte u.a. die Städte Mailand, Wien und München besucht. Leider sei ihm die Einreise in die Schweiz verweigert worden, da er nur im Besitz eines „Schengen-Visum“ war. Echt toll und beeindruckend wären die ICE’s in Deutschland. Helene nutzte die Möglichkeit, mit ihren Kindern zu telefonieren. Derweil langweilen sich unsere Reiseleiter und die beiden Frauen sitzen mit Ajupp im Auto.

Als wir aufbrechen bietet er sich als Stadtführer an, was wir gerne annehmen. Wir fahren über die vorhandene Prachtstrassen durch die im westlichen Stil geprägte Innenstadt. Vorbei geht’s an einem neueröffneten Einkaufszentrum und dem historischen Museum, -das zu Sowietzeiten das Leninmuseum beherbergte und dem Präsidentenpalast. Wir, d.h. lediglich Helene, Alexander, Dirk und ich besichtigen die frisch renovierte, gut besuchte russisch orthodoxe Kirche.

Danach geht es zu einer im Jahr 2001 eröffneten staatlichen Gedenkstätte. Unserer „Stadtführer“ erläutert, dass hier mit verschiedenen modernen Skulpturen und Symbolen versucht wird die unterschiedlichen Volksgruppen Kirgistans künstlerisch darzustellen. Er erklärt uns, das Ziel der Gedenkstätte die Vermittlung von Nationalbewusstseins sei. Ich bin mir nicht sicher, ob die Zielsetzung mit diesem sehr modern anmutendem Komplex tatsächlich erreicht wird, schön anzusehen ist das Gelände auf jeden Fall. Zu besichtigen ist auch eine herrschaftliche, königliche Jurte. Wir vier sind beeindruckt, unsere dunganischen Begleiter scheinen gelangweilt und uninteressiert.

Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu einem etwas außerhalb der Stadt liegendem Naherholungsgebiet mit Picknickplatz, Grillmöglichkeit und Spielplatz an einem kleinen Fluss.

Ich hatte erwähnt, dass ich gerne einmal ein Stoffgeschäft mit traditionellen Seidenstoffen besuchen möchte. Ich bin eigentlich, direkt an der alten Seidenstraße, davon ausgegangen, dass es eine ganze Reihe solcher Geschäfte in der Hauptstadt gibt. Aber weit gefehlt. Nach diversen Telefonaten wurden wir fündig, statt der erwartete Seide fanden wir hochwertige Kostüm- oder Anzugstoffe u.a. aus englischer und deutscher Herstellung.

Nun aber schnell zurück, denn wir sind zum Abendessen bei Rosas Eltern eingeladen.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgisien 2004: Die Autobahn-Raststätte

Heute startet unser Tag mit einem „einfachen“  kontinentalen Frühstück 😍 – Brot und vier Sorten selbstgemachter Konfitüre – in der Küche. Geplant ist ein Besuch der Hauptstadt Bischkek zum sightseeing. Djuscha und seine Frau und natürlich Ayscha und Rahim sind mit von der Partie. Und, wie könnte es anders sein, das Auto ist voll beladen mit Lebensmitteln für die lange Reisestrecke 😏. Bei strahlendem Sonnenschein und guter Stimmung fahren wir durch das weite, fruchtbare Tal. Die Verkehrsdichte ist gering, aber der Fahrer muss jederzeit mit unerwarteten Hindernissen, wie entgegenkommenden Eselkarren, freilaufenden Haustieren und mitten auf der Bahn diskutierenden Männern rechnen. Ajupp leidet, er hat Magen-Verstimmung. Offensichtlich hat der kleine Zwerg gestern zu viel durcheinander gegessen 🙄. Beim Frühstück gab es wieder das äußerst lecker usbekische Fladenbrot und Alexander sinniert wieder einmal laut darüber, ob die Herstellung und der Vertrieb in Deutschland lukrativ sein könnte. Und… man darf so etwas einfach nicht laut aussprechen, schon wird bei der nächsten Bäckerei angehalten um Nachschub zu beschaffen. Wir können uns nicht verkneifen wieder einmal auf Hänsel und Gretel hinzuweisen, was bei unseren Gastgeber allgemeine Heiterkeit auslöst. Ungeplant wird dann ein Besuch bei Ayschas Bruder eingeschoben. Der betreibt vor den Toren von Bischkek ein kleines Restaurant mit westlicher Ausstattung – Tische und Stühle 😃- direkt an der Autobahn. Er erzählte uns, dass die Räumlichkeiten einschließlich der Küche auch für Familienfeiern gemietet werden können. Mit besonderem Stolz zeigt er uns seinen Rosengarten und die selbstgezogenen Melonen.

Die Sanitäranlagen befinden sich wie üblich Outdoor, aber es gibt tatsächlich zwei. Und… keine Frage, ein warmes Essen wird serviert. Durch Ayscha und Rahim wird die „geringe“ Menge der Speisen bemäkelt, wir waren sehr zufrieden. Besonders lecker war das in einem Gusstopf gebratene dünne Rind- und Schaffleisch. Beim Abschied noch das Angebot im Büro des Sohnes vorbeizufahren, um von dort aus nach Deutschland zu telefonieren. Selbstverständlich gibt es eine Einladung zur Einkehr bei der Rückfahrt. Außerdem sollen wir im nächsten Sommer wiederkommen damit die Männer gemeinsamen zur Jagd auf Fasane, Rebhühner und Steinböcke und zum Angeln gehen können. Selbstverständlich würde er dann gerne für uns einen Ausflug in die Berge organisieren.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Die Einladung bei Djuscha

Und auf zur nächsten, falls ihr mitgezählt habt, dritten warmen Mahlzeit dieses Nachmittags. Ach ja, auf der Fahrt nach Bishkek wurde uns natürlich etwas zu Essen in Form von frischem Fladenbrot, Gebäck und Süßigkeiten angeboten und während des Marktbesuchs gab es Bananen zur Stärkung. Wie war das noch mit Hänsel und Gretel ☺?? Nach all den Förmlichkeiten nun ein sehr ungezwungenem Empfang in Djuschas Haus. Witzig ist, dass im vorigen Haushalt niemand von uns Lust hatte, nach der Toilette zu fragen. So wandern wir jetzt alle, natürlich nacheinander😅 zur Toilette. Inzwischen ist es stockfinster und Dirk drückt mir seine Minitaschenlampe in die Hand mit der Bemerkung, dass wir die unbedingt brauchen. Und so ist es auch, auf der outdoor Toilette gibt es überhaupt kein Licht, auch von Außenbeleuchtung im Hof keine Spur. Dafür aber ein ausgesprochen großes Toilettenloch im Fußboden, durch dass ein kleines Kind mal locker auf nimmer wieder sehen in der Latrine verschwinden könnte. Da ein „Herzhäuschen“, immer über eine Öffnung nach Außen verfügen, konnten Helene und ich uns gegenseitig mit der Minilampe etwas Licht spenden. Was folgte war der perfekte Service. Die älteste Tochter des Hauses stand mit einer Kanne Wasser und einem Handtuch zum Händewaschen bereit.

Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit wird in diesem Haushalt heute in der s.g. Sommerküche – eine zweite überdachte Küche im Freien – gekocht. Wir sind nicht die einzigen Gäste, sondern ein weiteres befreundetes Ehepaar – sie haben auf dem Markt im Bishkek einen Stand mit Kurzwaren – Djuschas Bruder und Januss, der uns auf unserer Reise durch Russland begleitet hatte, sind ebenfalls eingeladen. Ajupp und die kleine Tochter der Freunde bringen Leben in die „Bude“ 😊. Ohne die Kinder speisen wir hier im „Bühnenzimmer“ an wie zu erwarten reichlich gedeckter Tafel, und wie immer beginnend mit den obligatorischen Süßigkeiten und der Torte vom usbekischen Bäcker. Wie schön, es herrscht eine sehr entspannte, offene, herzliche und freundliche Atmosphäre. Die Freundin des Hauses erzählt mir, dass ihr Geschäft – ebenfalls ein Verkaufscontainer auf dem Markt in Bischkeh – gut läuft. In Bishkek und Umgebung gäbe es viele kleine Schneidereien, die Kleider im Kundenauftrag für Kundinnen aus umliegenden Städten und sogar aus Moskau herstellen. Obwohl wir hier ebenfalls in einem streng moslemischen und traditionell geführtem Haus sind, ist es ein fröhlicher und gelöster Abend, mit viel Gelächter und schrecklich viel zu essen. Die beiden älteren Söhne besuchen neben der öffentlichen Schule die Koranschule und, wenn ich es richtig verstanden habe sind sie dort auch zeitweilig internatsmäßig untergebracht. Heute Abend sind sie jedoch zu Hause und schauen ab und zu herein. Wie in allen Häusern üblich, hilft die älteste Tochter, ca. 12 – 15 Jahre, der Mutter beim Servieren. Die Gastgeberin ißt, nachdem alle Speisen serviert sind, mit uns zusammen und muss nicht in der Küche bei der Arbeit verweilen. In die unbefangene Stimmung hinein erzählt Helene dann eine Kurzfassung von „Hänsel und Gretel“ und unsere „Sorge“ ob der Fingertest noch vor unserem Abflug gemacht wird. Als Dirk dann noch anfügt, dass, zu unserem großen Glück ja immer ein paar Stäbchen bereit liegen, die wir zum Test durchs Gitter reichen können, möchte sich die ganze Gesellschaft am liebsten vor Lachen kugeln. Nach Überreichung eines Abschiedsgeschenks machen wir uns müde und völlig übersättigt auf den Heimweg.

„Zu Hause“ angekommen gibt es für uns Mädels vorsorglich einen Ingwertee und für Alexander einen dreifachen Espresso – Koffeinentzug – 😉. Unsere beiden Männer klagen über Zahnschmerzen, die verordnete Zahnspülung aus Backpulver, Salz und Jod wird hergestellt und in Einsatz gebracht. Dirk traut dem Braten nicht und geht lieber mit 2 Aspirin zu Bett. Ich hoffe für ihn, dass wir den Zahnarztbesuch bis zur Rückkehr nach Deutschland hinauszögern können.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgisien 2004: Die Einladung beim Osterei

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Ayscha und Rahim zuhause geht’s weiter zum nächsten Essen, das Osterei hat uns eingeladen. Es handelt sich hier ganz offensichtlich um einen für kirgisische Verhältnisse reichen Haushalt. Mir fehlt die bisher erlebte Herzlich- und Fröhlichkeit. Alexander hat die Einladung nur angenommen, wenn wir Frauen gemeinsam mit den Männer zu Tisch sitzen. Gegessen wird in einem großen, hellrosa gestrichenen Raum mit einer Plastikstuckdecke und aufgeklebtem Stuck an den Wänden. Es ist kalt, und hier spreche ich nicht nur von der Raumtemperatur. Kaum sitzen wir, steht der Gastgeber auf und geh zum Beten. Die Ehefrau setzt sich nur ganz kurz zu uns, ißt aber nicht mit. Die Schwiegertöchter kommen lediglich herein, um uns zu bedienen. Trotz der seltsamen Atmosphäre, werden, wie die Tradition vorschreibt, 10 Gerichte serviert. Das Tischgespräch dreht sich um die wirtschaftlichen und allgemeinen Lebensverhältnissen in Deutschland. Die Männer unterhalten sich höflich, interessiert und neugierig, wir Frauen werden ignoriert. Zwischendurch schaut kurz Djuscha, unser nächster Gastgeber des Tages herein. Weil wir etwas in Verzug sind, bitte ich ihn seine Ehefrau über unsere Verspätung zu informieren. Sein Kommentar: „No problem!“, na ja, für ihn nicht ☺. Unser Gastgeber verschwindet ein zweites mal zum Gebet und nach seiner Rückkehr endet das „gemeinsame Mahl“, er hat so gut wie nichts gegessen. Das er überhaupt etwas mit Ungläubigen gegessen hat war offensichtlich der Ehre genug. Die Verabschiedung ist, wie das gesamte Essen, freundlich, höflich und deutlich distanziert.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgisien 2004: Die Einladung bei Suchra

Nach einem ausgiebigen Marktbesuch sind wir zum Mittagessen bei Suchra eingeladen. Die Familie lebt in einem Dorf in der Nähe von Tokmak.  Das kleine Häuschen besteht aus der Küche und zwei kleinen Wohnräumen. Zusammen mit Rosa, einer Schwester ihres Mannes und vermutlich unter Aufsicht der Schwiegermutter, hat Suchra für uns unter sehr einfachen Bedingungen ein tolles Mittagessen gezaubert.

Die Speisefolge wie gehabt, doch Suchra war zu meiner große Freude mit der Fettbeigabe deutlich zurückhaltender. Zu unserer Ehre hatte Suchra in Anlehnung an die europäischer Küche gekocht. Es gab Rohkostsalat mit Majonaise und Fritten und weitere landesübliche Speisen und natürlich die obligatorische Torte, die mit essbaren Pinguinen dekoriert war. Wo um Himmels Willen gibt es in Kirgisien Pinguine ☺. Klar, dass „Lieselotte“ sofort den neuen Anzug anprobieren musste. Es folgt, wie gehabt nach Abschluss der Mahlzeit ein schneller Aufbruch.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Der Markt

Nach dem Frühstück fahren wir zum Markt nach Bischkek. Dort betreibt Rahim ein „Schuhgeschäft“. Kaum sitzen wir im Auto steigt mir der Geruch von frischem Brot in die Nase. Ich denke laut darüber nach, woher dieser Geruch wohl kommen mag und sofort wird von vorne warmes Brot angeboten. Ich krieg noch die Krise mit dieser ewigen Esserei 😜. Nein, wir möchten so kurz nach dem Frühstück nichts essen. Doch schon wird im nächsten Örtchen angehalten und Rahim kommt stolz mit einem großen Eis für jeden von uns um die Ecke. Das schmeiße ich mir prompt auf die Hose, „Ungeschicklichkeit lässt grüßen“. Gut, dass immer noch die Vorratspackung feuchter Tücher auf dem Armaturenbrett steht und so der Schaden notdürftig beseitigt werden kann.
Bei Licht betrachtet ist die „Autobahn“ nach Bishkek besser als ich sie von unserer nächtlichen Ankunft in Erinnerung habe. Wenn man mal davon absieht, dass die Autos möglichst den Mittelstreifen benutzten, der eigentlich für Einsatzfahrzeuge, wie Polizei, Krankenwagen, Feuerwehr u. ä. reserviert ist. Unstrittig hat er nun mal die bessere Fahrbahndecke. Daneben kommen uns ab und zu geisterfahrende Eselsgespanne entgegen, kleine Viehherden kreuzen die Fahrbahnen oder mitten auf der Straße stehen Personen, die sich dort seelenruhig unterhalten.
Helene und Alexander erklären uns, dass in der Vergangenheit die gesamte Gegend landwirtschaftlich genutzt wurde. Momentan scheinen die meisten Felder brach zu liegen oder werden teilweise durch winzige Viehherden beweidet. Bei den vielen Hungergebieten dieser Welt stimmt uns eine solche Verschwendung wertvollen Ackerlands traurig.

In Bishkek angekommen steuern wir direkt das Marktgelände an. Der Markt besteht aus lauter gestapelten Überseecontainern. Die Mittelgänge sind überdacht und das Ganze erinnert uns an einen großen arabischen Basar. Allerdings sind hier die Händler überhaupt nicht aufdringlich. Angeboten wird alles, was das Käuferherz erfreut, von der Nähnadel bis hin zur Hightech Stereoanlage. Natürlich müssen wir in Rahim’s Container erst „einmal über die Schuhe“, werden aber nicht fündig. Hier gibt’s selbstverständlich auch Addidas-Streifen, sie befinden sich allerdings auf chinesischen Sportschuhen.

Wir besuchen auch einige Freunde von Rahim, die hier ebenfalls „Marktcontainer“ betreiben. Die Containerreihen sind streng nach Angebot geordnet, z.B. eine Reihe Schuhcontainern, eine Reihe Textilien usw.. Bei Ali in der Textilabteilung erstehen wir für Dirk ein T-Shirt. Ali importiert sein Programm aus der Türkei, es handelt sich um „Raubkopien“ führender Marken. Angekommen in der „Kinder-Textilabteilung“ können wir Frauen uns nicht beherrschen und kaufen zwei niedliche Anzüge für die Mädchen von Suchjar.
Zum Schluss noch der Kauf des Hochzeitsgeschenks für Rosa und Rasul, eine Stereoanlage.
Hier könnte man sicherlich einen ganzen Tag verbringen, denn die Sparten Lebensmittel und Haushaltsartikel sind natürlich auch vertreten, aber wir sind zum Mittagessen bei Suchjar eingeladen. So geht es zurück in Richtung Tokmak, jedoch nicht ohne am Straßenrand noch frische Melonen einzukaufen.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgisien 2004: Die Einladung bei Rahim’s Bruder

Von unserem Ausflug zum Issyk-Kul zurück gibt’s ein Problem: Es gibt eine zweite Einladung zum Abendessen. Ayscha, Helene, Dirk und ich fahren zur Verwandtschaft und Rahim und Alexander zu dessen Freund.

Wie immer werden wir überaus freundlich empfangen und an die reich gedeckte Tafel – natürlich auf dem Fußboden – direkt neben dem Doppelbett, gebeten. Der Gastgeber und ein weiterer Bruder von Rahim leben von der Landwirtschaft und so drehen sich die Gespräche um landwirtschaftliche Probleme. Beide bewirtschafteten gepachtete Flächen, auf denen sie Zwiebeln, Tomaten und Kartoffeln anbauen. Die Pacht beträgt für 1 ha 100 $. Sie fragen uns ob wir nicht holländischen Tomatensamen billig in Deutschland kaufen können, die holländischen Tomatensorten währen von deutlich besserer Qualität. Wir sind nun echt erstaunt, denn wir sind von dem guten Aroma der hiesigen Tomaten echt begeistert. Aber vielleicht sind die aus holländischem Samen gezogen Stauden resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge. Und auch daran haben wir uns inzwischen gewöhnt, Aufbruchszeitpunkt für Gäste ist immer das Ende des opulenten Mahls.

Tagesabschluss im „Bühnenzimmer“, wo wir Alexander’s erste Bilder der Reise betrachten können. Heute gönne ich meinem inzwischen rebellierenden Magen eine Tasse Ingwertee und dann ab ins Bett.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Der Ausflug zum Issyk-Kul, Tag 2

Wie üblich erwachen wir sehr früh und ich überrede Dirk zu einem Spaziergang zum See. Leider ist es heute morgen bewölkt und wir können keinen romantischen Sonnenaufgang erleben. Nur ein Sprengwagen, der die Wege reinigt, begnet uns. Es ist schön hier, die Ruhe, der See, die bunt gefärbten Bäume und die zum Greifen nahen hohen schneebedeckten Berge.

Das Frühstück ist für 9 Uhr angesetzt und tatsächlich ist die gesamte Korona auch pünktlich auf den Beinen. Ich hoffe vergeblich auf ein continentales Frühstück, werde aber beim 2. Gang, Bratfisch – frisch und lecker – mit Kartoffelpüree und einem ordentlichen Stich Butter, eines besseren belehrt. Alexanders Zahnschmerzen haben sich deutlich verschlimmert und so besuchen er und Rahim die hoteleigene Zahnärztin. Ach ja, ich hatte bisher noch nicht berichtet, dass neben dem normalen Hotelangebot, wie Schwimmbad und Massageabteilung, das Haus auch über eigene Ärzte verfügt. Bei Alexander wird die Vereiterung eines Zahns im Unterkiefer diagnostiziert. Die Diagnose war nicht sehr schwierig, denn die „dicke Backe“ ist nicht zu übersehen. Der Zahn wird geöffnet und Spülungen mit Salz, Backpulver und Soda verordnet. Zur Einnahme des mitgebrachten Antibiotikums wird weder geraten noch grundsätzlich abgeraten. Nach dem „Eingriff“ folgt nun ein Familienausflug, mit den inzwischen völlig „aufgedrehten“ aber lieben Kindern, durch das weitläufige Parkgelände.

Der Spielplatz ist die Attraktion und nach intensiver Inspektion werden besonders die Schaukeln und Rutschen mit Beschlag belegt. Ich rate dem Opa Rahim für seine beiden Enkelinnen eine Schaukel im Hof zu installieren. Auch die beiden Frauen tauen auf und sitzen vergnügt zusammen mit Helene auf einer Hollywoodschaukeln, während sich Rahim an der Blütenpracht nicht satt sehen kann. Um ihm eine Freude zu machen sammele ich etwas reifen Tagetessamen. Es führt dazu, dass nun auch die beiden Frauen eifrig Blumensamen für das nächste Frühjahr sammeln. Unser Weg endet am Seeufer. Anfangs schlendern wir noch ganz gesittet am langen Sandstrand entlang, aber schon bald läuft Djuscha mit bloßen Füßen durchs Wasser. Helene und ich bemühen uns für die Kinder eine kleine Sandburg zu bauen, was nicht ordentlich gelingt. Denn der Sand ist zu grobkörnig und es fehlt das notwendige „schwere Gerät, wie Schäufelchen, Eimer und Sieb“. Erfolg haben wir dennoch, die Kinder erkennen wie viel Spaß es macht mit Sand und Wasser spielen. Selbst  Djuscha wirft seine männliche Würde über Bord und bemüht sich für seinen Sohn einen kleinen See aufzustauen. Auch er scheitert am „schlechten“ Material. Die beiden Frauen sind für unsere Kinderreien nicht zu begeistern, genießen lieber die Freizeit.
Helene erzählt mir, dass sie in ihrer Jugend zusammen mit Gleichalterigen jedes Frühjahr zur Renovierung dieses Komplexes abgeordert wurde. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, das Pier vom Boot aus anstreichen, wobei jeweils drei Personen in einem Boot saßen. Rotierend war einer für die Befestigung des Bootes zuständig, einer stand und strich den oberen Teil der Säulen und einer musste den unteren Teil streichen. Helen war selber einmal dabei, als es zu einem Unfall kam. Die Hände des Sichernden waren nass, er konnte das Boot nicht halten, das Boot trieb ab und das stehende Mädchen fiel ins eiskalte Wasser. Sie konnte von den herbeigeeilten Männern noch früh genug aus dem Wasser gezogen werden und  unter Einsatz von „hoch geistlichen Getränken“ wieder auf Normaltemperatur gebrachte werden.
Vor der Heimfahrt möchte sich Alexander gerne kurz aufs Ohr legen, diese Idee wird von den beiden Dunganen gerne angenommen und so wird eine allgemeine Siesta eingeläutet. Djuschas Frau, Ayscha, die Kinder, Dirk und ich nutzen derweil die Zeit für einen ausgiebigen Besuch des großen Spielplatzes. Mittlerweilen haben nicht nur die Kinder Freude am Schaukeln. Leider war ich in der Vergangenheit zu faul etwas russisch zu lernen und so klappt die Kommunikation nur über Zeichensprache.
Abschluss unseres Hotelbesuchs mit offiziellem Mittagstisch der gesamten Ausflugsgesellschaft. Djuscha und seine Frau verweigern weiterhin standhaft das angebotene Fleisch. Ich genieße inzwischen die dunganische Sitte zu jeder Mahlzeit Tee gereicht zu bekommen. Leider wird er hier zu dem üblichen, sehr fetten Essen nicht serviert. Nach dem bisher ruhigen und beschaulichen Tag folgt ein recht abrupter Aufbruch. Für uns steht noch der Besuch eines früheren Freund von Alexander auf dem Tagesprogramm.

Unterwegs wird an einem der vielen Straßenverkaufsständen noch schnell frisch geräucherter Fisch gekauft und ohne Zwischenstopp geht’s zurück nach Tokmak..
Unsere Fahrt geht an vielen großen offensichtlich ungenutzten und dem Verfall preisgegebenen Industrieanlagen vorbei. Auf unsere Frage, was passiert sei meint Helene trocken: „Die sind einfach stehen geblieben“.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Der Ausflug zum Issyk-Kul

11.10.04 Auch heute ist frühes Aufstehen angesagt, unsere Gastgeber planen mit uns einen zweitägigen Ausflug zum Issyk-Kul-See, dem zweitgrößten Gebirgssee der Erde.
Nach dem Frühstück herrscht hektische Betriebsamkeit im Innenhof, denn es wird eine Unmenge von Tüten und Taschen in Djuschas VW-Bus gepackt. Ich bin mal gespannt, was wir so alles mitnehmen, denn so viel braucht man doch nicht für eine Übernachtung. Zu unserer großen Überraschung wird es ein richtiger Familienausflug. Mit dabei sind Djuscha, seine Frau und ihr jüngster dreijähriger Sohn Ajupp, Rahim, Ayscha und die vierjährige Enkelin Shakira und wir vier.
Shakira ist Dirks „kleine“ Freundin“. Sie wurde kurzerhand durch ihn in Lieselotte umgetauft. Sie ist genauso hibbelig wie die Freundin meiner Mutter.
Wir fahren nun durch das sich ganz allmählich verengende Tal, gesäumt auf der linken Seite von den kasachischen und auf der rechten Seite von den höheren kirgisischen, bereits schneebedeckten Bergen des Terskej-Alatau, Richtung Osten. Je weiter wir fahren, um so mehr Felder säumen rechts und links die Straße. Die Freiflächen dazwischen werden durch kleine Schaf- und Rinderherden – teils mit Hirten -, beweidet. Schon bei der ersten kleinen Toilettenpause, wir sind vielleicht gerade mal eine Stunde gefahren, bietet Ayscha aus dem Fundus der unzähligen Tüten Gebäck, Obst und Süßigkeiten an. Irgendwie erinnert mich diese ewige Völlerei das an das Märchen von Hänsel und Gretel ☺.
Inzwischen hat sich die Landschaft vollständig verändert. Die spärlicher werdende Vegetation erinnern mich an die Hammada’s durch die wir vor 2 Jahren bei einer Rundreise durch Marokko gefahren sind. Doch dann wird das Tal wieder weiter und fruchtbarer und wir erreichen auf 1600m den Issyk-Kul. Zur Mittagspause biegen wir von der Hauptstraße ab. Über eine Schotterpiste fahren wir an das Seeufer, um an einer kleine Sandbucht Halt zu machen. Der See ist gesäumt von Sanddornbüschen, übervoll mit reifen Beeren. Auf meine Nachfrage, ob diese wie bei uns zur Herstellung von Marmelade, Saft u.ä. genutzt werden, kommt ein klares Nein. Diese Nutzung ist Ayscha und Helene unbekannt. Sie erzählen uns, dass die reifen Beeren gesammelt werden, um daraus Öl zu pressen. Das wird für medizinische Zwecke, hauptsächlich zur Herstellung von Brandsalbe, verwandt. Und schon kommen einige Einheimische zum Sanddorn pflücken vorbei. Sie fordern uns auf unseren Müll auch wieder mitzunehmen. Es klingt wie Hohn, denn rundherum liegt bereits eine Unmenge von Unrat. Wie bereits gesagt, Umweltbewusstsein gleich Null.

Rahim und Djuscha kümmern sich um den Grill, das Holz wurde von zu Hause mitgebracht. Heute gibt es Schafschaschlik. Ein vorbeikommender älterer Mann erklärt etwas unwirsch, das hier Lagerfeuer verboten sind. Unsere Beiden kümmert es wenig. Derweil richten unsere Gastgeberinnen den Picknickplatz her. Da unsere Hilfe abgelehnt wird, trinken wir heiße Schokolade und lassen die schöne Aussicht auf uns wirken. Es ist toll hier und ich könnte mir gut vorstellen hier einmal einen Treckingurlaub zu verbringen. Aus Kisten, Körben und Tüten werden Süßigkeiten, selbst gebackene Plätzchen, Honigkuchen, frisches usbekisches Fladenbrot, Tomaten, Gurken und was sonst noch für ein anständiges dunganisches Picknick notwendig ist hervorgezaubert. Der Tee ist fertig und auch die ersten Schaschlikspieße suchen Abnehmer. Die Kinder hocken fasziniert im Sand und schauen über den See zu den hohen schneebedeckten Bergen am anderen Ufer. Wir alle sind fröhlich und ausgelassen, genießen die Ruhe und das schöne Panorama. Helene und ich gehen davon aus, dass sowohl die beiden Frauen als auch die Kinder bisher noch niemals hier waren oder etwas ähnliches erlebt haben.

Auch das schönste Picknick geht einmal zu Ende und wir müssen noch ein Nachtquartier suchen. Also alles zurück ins Auto und weiter in Richtung Osten. Je weiter wir fahren, um so schöner wird die Aussicht. Mittlerweile sind auch die Berge auf unserer Seeseite zum Greifen nah und ihre Gipfel sind schneebedeckt. Je weiter wir fahren, um so höher werden die Gipfel am anderen Seeufer. Wir fahren durch kleine Ortschaften. Es gibt moderne Neubauten bzw. im Bau befindlichen Häuser überwiegend im westlichen Stil. Die Männer haben im Moment keine Zeit die Aussicht zu genießen, sie halten angestrengt Ausschau nach einer Unterkunft. Sie entscheiden sich dann für eine Nobelunterkunft – Hotel Aurora Issyk-Kul – die sicherlich für kirgisische Verhältnisse überdimensioniert ist.
Wir hatten die Übernachtung als Geschenk für unsere Gastgeber geplant, aber nein, all unsere Einwände werden „vom Tisch gefegt“, wir sind eingeladen. Schon auf dem Parkplatz plagt uns das schlechte Gewissen, denn die Übernachtung in diesem Hotel ist sicherlich sehr teuer.
Das Auto wird auf dem bewachten Parkplatz, der genauso hoch eingezäunt ist, wie das gesamte Hotelareal, abgestellt. Offensichtlich wird das gesamte Gelände streng bewacht. Und nun folgt, bepackt mit Taschen, Tüten, einem Eimer mit Obst und Tomaten, Tüten voll gepackt mit Fladenbrot und Gebäck, einem Sixpack Mineralwasser und dem für einen Hotelbesuch notwendigem Gepäck, der Einzug unserer Karawane zum Einchecken. Bevor wir das Gelände betreten dürfen passieren wir eine Wachstation mit angegliedertem Schlafraum.

Bei „Licht“ betrachtet wird uns klar, dass die guten Jahre des Hotels vorbei sind, es ist stark renovierungsbedürftig. Der Grundriss des Gebäudekomplexes erinnert an ein Schiff. Das Hotel liegt in einem schönen Park, mit großem Spielplatz, langen Alleen aus Birken und Zypressen und großen noch in voller Blüte stehend Rosenbeeten. Außerdem gibt es viele hübsche, kleine und große Wasserbecken und einen Teich. Der hoteleigene Fitnessparkur ist allerdings total überaltert. Am Seeufer erwartet uns ein langer geharkter und sauberer Sandstrand. Dort gibt’s Bänke und Hollywoodschaukeln die zum Verweilen einladen, einen langen Pier in den See hinein und Metallgerüste, die bespannt im Sommer als Sonnenschutz dienen. Die Ruderboote sind leider schon für den Winter aufgestapelt. Schade, eine Ruderpartie hätte den Kindern sicherlich viel Spaß gemacht. Das alles hier ist schon erstaunlich, besonders, da wir bisher keinerlei touristische Infrastruktur angetroffen haben. Die beiden Frauen, die bisher außer zu Familien- und Arztbesuchen und zum Einkaufen und Arbeiten von zu Hause fort waren, muss diese „Pracht“ förmlich überrollt haben. Und dann erst die Zimmer, mit großer Terrasse zum See, mit Fernseher, Kühlschrank und kleinem Badezimmer westlichen Standards. Die Aufenthaltsräume und der Speisesaal sind im „russischem Stil“ gehalten, kirgisisch ist hier mal gar nichts. Das gesamte Personal in Livree, wobei der Service ist so „naja“. Vielleicht wurde das Wort „Service“ noch nicht ins russische übersetzt 😧, denn die Kellnerin ist beim Servieren des Abendessens unhöflich und arrogant. Das uns die vollen Teller nicht unterm Besteck weggerissen werden ist verwunderlich. Djuscha ist praktizierender Moslem und fragt nach, ob das Fleisch geschächtet wurde. Seine Frage wurde einfach ignoriert und so verzichtet er auf den Fleischgenuss. Seine Frau beteiligt sich gar nicht am Abendessen. Unsere Gastgeber kommen zwar, aber Ayscha ißt ebenfalls nicht mit. Nervig ist die äußerst laute Pop-/Rockmusik russischer Herkunft, mit der das gesamte Hotel beschallt wird. Neben unserer kleinen Reisegruppe befinden sich nur noch wenige Gäste im Speisesaal. Dann gibt es noch eine ca. 20 Personen umfassende deutsche Reisegruppe. Wir alle sind müde von den vielen schönen Eindrücken und so gibt es ein frühes Zubettgehen. Wir verabschieden uns lautstark vor der Zimmertür unserer Gastgeber. Ayscha lädt noch ein zu ihnen ins Zimmer zu kommen, um dort mit ihr, Djuschas Frau und den Kindern zu Abend zu essen. Dirk und ich weigern uns aber standhaft.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgisien 2004: Die Boten

Wir vier verlassen nun die Familie um Geldboten zu spielen. Helene und Alexander haben noch diverse Briefchen in der Nachbarschaft abzuliefern. Dazu machen wir zusammen einen kleinen Verdauungsspaziergang durch die nähere Umgebung.

Der Tag klingt gemütlich mit einer Teestunde im Bühnenzimmer aus. Die Hausfrau ist mal wieder unglücklich ☺, weil wir strikt die weitere Nahrungsaufnahme verweigern und die Einnahme eines warmes Abendessen boykottieren. Während unserer Abwesenheit war im Hof des Hauses ein Schaf geschlachtet worden und hing nun zum Ausbluten auf dem Weg zur Outdoor Toilette. Im Hof vor dem Stall ist eine kleine Grube ausgehoben, in der das Blut vergraben werden soll, daneben liegt fein säuberlich der abgetrennte Kopf des armen Tiers. Na ja, wir haben morgen einen Ausflug zum Issyk-Kul-See vor und vermutlich hat unser Gastgeber Angst, dass die vorhandenen Vorräte nicht ausreichen. Wie schon des Öfteren in den vergangenen Tag denke ich bei mir, dass ich wirklich verzärtelt bin. Denn seit Samstag herrscht auch im Geflügelkäfig gähnende Leere. Das Hühnervölkchen musste wohl für das Festgelage sein Leben lassen.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgisien 2004: Die Feier

11:30 Bei unserer Ankunft herrscht in Hof und Küche hektische Geschäftigkeit. In der „guten Stube“ sind Sitzdecken um die mit Süßigkeiten gedeckte „Tafel“ – für Unbedarfte, wir essen auf dem Fußboden – ausgerollt. In der Küche werden frisch vermählte Freunde des Brautpaars, bewirtet. Die junge Frau trägt ihr traditionelles Brautkleid und ihr Gesicht ist hell, man könnte auch sagen weiß, geschminkt.

Langsam treffen nun die Gäste, mehrheitlich Frauen, ein. Die Frauen besichtigen erst einmal die Wohnräume des jungen Paars. Die Männer wandern in die gute Stube und werden dort, so berichtet Dirk hinterher, mit Suppe bewirtet. Kurz vor Beendigung der Besichtigungstour wechselt die Männergesellschaft ins Wohnzimmer der Jungvermählten. Helene und ich fühlen uns irgendwie fehl am Platz und flüchten, nach einem Sonnenbad im Hof, zu Ayscha in die Küche. Dort, wie könnte es anders sein, bekommen wir sofort eine Tasse Suppe vorgesetzt, leider, wie immer lecker aber sehr fett. Die Damengesellschaft wechselt in die gute Stube an die Festtafel und natürlich werden wir dazu gebeten. Während des Essens herrscht strickte Geschlechtertrennung.

Wie üblich, die Eröffnung der Mahlzeit mit Süßigkeiten, Kuchen, Plätzchen, Torten und Obst. Danach gibt es Suppe, später Gemüsereis mit Rindfleisch, das erst am Tisch in stäbchengerechte Stücke geteilt wird, danach div. Gemüse-, Fleisch- Geflügel- und Fischgerichte. Zusammen mit dem Hauptgang werden auch die Süßspeisen wie süßer Reis mit Rosinen – leider nicht in Milch sondern in Wasser gekocht -, süße gefüllte Pfannekuchen, unser Pudding und mehr gereicht. Um dem Gebot der Gastfreundschaft zu genügen kommen 40 Gerichte auf den Tisch. In Erstaunen versetzt mich die Sitte, dass jeder, Gäste wie Gastgeber, seinem Nachbarn oder Gegenüber ungefragt Speisen auf den Teller legt. So bin ich angestrengt damit beschäftigt mit den für mich noch etwas ungewohnten Stäbchen zu essen und gleichzeitig meinen Teller außer Reichweite meiner spendabelen Tischnachbarn zu halten. Und dann sehe ich, dass Speisen, die man nicht essen will, einfach auf die Tafel zurück gelegt werden können. Wirklich schlimm finde ich, dass sich einige Anwesende den Teller hoch voll laden und später vieles ungetestet auf dem Teller lassen. Helene und ich halten das für eine sehr komische Sitte, denn die Reste können später nur noch weggeworfen werden. Aber, andere Länder andere Sitten.

Zwischen allen Gängen: Erholungspausen. Blattsalate, wie wir ihn kennen, stehen nicht auf dem Speiseplan. Auch das Angebot von Süßspeisen zusammen mit Fleischspeisen verwundert uns. Am Tisch herrscht die typische Geschwätzigkeit. Helene muss viele Fragen zum Leben in Deutschland und auch gezielte Fragen nach der Stellung der Frauen beantworten. Rosa’s Mutter lädt uns zum Essen ein. Helenes Erklärung, dass wir erst einmal mit unseren Männern sprechen müssen, überrascht die Damengesellschaft. Zwischendurch verteilt Rosa an alle Anwesenden Geldscheine, wir vermuten, dass es sich um eine weitere Tradition handelt und das Geld vielleicht als Wegzehrung für den „beschwerlichen“ Heimweg dienen soll.

Interessant, die Hauptperson Rosa, saß – kniete – hockte – nicht etwa mit an der Tafel sondern bediente zusammen mit den Schwägerinnen und der Schwiegermutter die Gäste. Rosa ist traditionell gekleidet, sie trägt eine rote Pluderhose mit gestickter Bordüre am Saum und ein farblich passendes rotes Überkleid. Ins Haar sind zwei lange künstliche Zöpfe, die bis zum Po reichten, eingeflochten, die mit silbernem Zierrat verbunden sind und beim Gehen lustig klingeln. Über dem Zierrat befinden sich eine rote – symbolisch für die Frau – und eine grüne – symbolisch für den Mann – Schleife. Uns wir erklärt, dass peinlich darauf geachtet werden muss, dass die rote niemals über der grünen Schleife liegt. Rosa hat wieder reichlich Schmuck angelegt und trägt auf dem Kopf ein ebenfalls rotes reich verziertes Kopftuch, das fast wie eine Kappe gebunden und auch mit Goldschmuck verziert ist. Sie sieht wirklich hübsch aus. Nach dem Festmahl folgt ein abrupter Aufbruch der ganzen Gesellschaft. Hastig werden für die daheimgebliebenen Ehemänner von den üppigen Restspeisen Pakete gepackt. Auch hier verwundert mich, dass  wahllos alle Speisen in einer Tüte verpackt werden, also Fisch zu Fleisch  undSüßes zu Pikantem. Nun ja, im Magen kommt ja sowieso alles wieder zusammen ☺. So, nun hat der letzte Gast das Haus verlassen und endlich kann sich das Küchenteam und der Rest der Familie ausruhen. Gemeinsam wird nun in der guten Stube in Ruhe gegessen. Aber, hat man in aller Hektik Rosa ganz vergessen? Sie ist, jetzt in normalen Zeug, immer noch da. Schnell werden wir aufgeklärt, dass Rosa gerne bis zu unserer Abreise – welch ein Kompliment an uns Gäste – im Haus bleiben möchte und erst dann für die besagten 10 Tage ins Elternhaus zurückkehrt.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgisien 2004: Der Gottesdienst

10.10.04 Ich dachte wir wären heute mal die Frühaufsteher, aber als ich um 5:30 Uhr aufwache brennt bereits Licht im Hof. Ayscha ist anscheinend schon wieder auf den Beinen und mit den Vorbereitungen für das anstehenden Festmahl beschäftigt. Auch die beiden Schwägerinnen stehen bereits wieder am Herd. Helene erzählt mir, dass Ayscha bis 3:00 morgens mit der Herstellung von Nudeln beschäftigt war.

Bei uns hätte heute ganz sicher die Hauptperson Rosa frei gehabt, aber weit gefehlt. Als ich ins Bad gehe, wird Rosa gerade von ihrer Schwiegermutter geweckt, um in der Küche zu helfen. Trotz all ihrer Arbeit nimmt sich Ayscha dennoch Zeit während unseres Frühstücks bei uns zu sitzen und eine Tasse Tee zu trinken.

Nach dem Frühstück fahren wir zum Gottesdienst ins Gebetshaus. Helene erzählt mir, dass die Gemeinde zu ihrer Zeit ca. 1100 Mitglieder – ohne Kinder – zählte. Nun sind deutlich weniger Menschen anwesend und davon ist nur noch ein verschwindend geringer Anteil deutschstämmig. Dennoch treffen die Beiden auf einige Bekannte. Natürlich bittet der Gemeindeleiter, Herr Vogel, Alexander ein Wort zur Gemeinde zu sprechen. Leider können Dirk und ich dem Gottesdienst, trotz Helene’s Simultanübersetzung, nur bedingt folgen. Gepredigt wird durch einen jungen Prediger über Joh. 16, 5-15a. Helene erklärt mir, dass der junge Mann dem Volksstamm der Tartaren angehört und er ausgesprochen gut predigt und eine sehr charismatische Ausstrahlung besitze. Nach dem Gottesdienst starten wir noch eine kleinen Rundgang durch das Gebetshaus, an dessen Bau Alexander mitgearbeitet hat. Wir führen noch ein kleines Gespräch mit dem Ältesten und dem Prediger. Schön, dass der junge Mann englisch spricht und so haben Helen und Alexander frei 🙂. Wie zu erwarten gab es zum Schluss eine Einladung ins Haus des Gemeindeleiters.

Nun schnell zurück nach Hause, um pünktlich für das  Festessen da zu sein.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Die Tradition und die Küche

Es ist ein erheblicher Unterschied etwas über die Stellung der Frau in den Medien zu sehen oder darüber zu lesen, als nun mitten in einer Familie den Alltag zu erleben. Sicher sind bzw. waren die Regeln bei ihrer Festschreibung vor einigen hundert Jahren sinnvoll. Vermutlich waren sie sogar im Verhältnis zu den in Europa geltenden Regeln revolutionär. Aber heute, wäre m.E. eine Reform oder zumindest eine Modifikation einiger Traditionen sicherlich sinnvoll. Auch viele der vor über tausend Jahren niedergeschriebene Vorgaben zum Schutz der Frauen waren damals bei nomadisierenden Völkern sicherlich sinnvoll und notwendig. Aber Neid den heutigen staatlichen Strukturen und Rechtsordnungen und im Blick auf eine immer enger zusammenwachsende Welt und einen weltweiten Informationsfluss sind die Vorschriften größtenteils überflüssig. So genießen die Töchter aufgeklärter und liberaler  Elternhäusern die gleiche Schulbildung wie die Jungen, sind soweit möglich aktiv im Internet und fast Knallen Haushalten s einen Fernseher. Doch dann verändert sich alles grundlegend mit der sehr frühen Eheschließung. Für eine Berufsausbildung oder gar ein Studium bleibt keine Zeit. Die jungen Frauen in unserem Gasthaushalt besitzen eine fundierte Schulausbildung, sind sehr fleißig  und äußerst kreativ. Die 17jährige Tochter besucht zur Zeit die Highschool, aber was kommt danach? Irgendwann, möglichst früh, denn dann sind die Chancen auf dem Heiratsmarkt am besten, werden auch diese Töchter in die Familien der Ehemänner abgegeben. Und selbst wenn sie einen guten Schulabschluss mitbringen, steht es nach der Hochzeit im Belieben der neuen Familie, ob das Mädchen Ausbildung oder Studium aufnehmen kann oder der Schwiegermutter im Haushalt helfen muss. Nur bei gravierenden Vorkommnissen im Haushalt der Schwiegereltern haben die Eltern der jungen Frau die Möglichkeit einzugreifen. Rahim erklärt uns noch einmal, dass, sollte eine verheiratete Tochter sich aus einem legitimen Grund im Haushalt ihrer Eltern aufhalten, der Schwiegersohn nach der Tradition grundsätzlich nicht im Haus übernachten darf. In so einem Fall müsse der Schwiegersohn, wenn er in der Nähe seiner Frau sein will, in ein Hotel o.ä. ziehen. Wenn sich also Rosa nach den 10 Tagen Bedenkzeit für ihren Ehemann entscheidet gibt es für sie im Normalfall keine Rückkehrmöglichkeit in ihre Familie. Sie ist auf Gedeih und Verderb ihrem Ehemann und dessen Familie ausgeliefert. Da die jungen Frauen in der Regel keine Berufsausbildung besitzen, sind sie bei einer Scheidung bis auf den Brautschmuck völlig mittellos. Für mich ist das alles schwer nachvollziehbar, aber, ist man in dieser Tradition aufgewachsen, so ist der Blickwinkel vermutlich ein anderer. Ich bin sehr, sehr dankbar, in Westeuropa geboren zu sein? Schwierig ist m.E. der Einfluss der Medien, denn über sie werden Bilder einer ganz andere Rollenverteilung in die Häuser gebracht.

Inzwischen haben sich die Jungvermählten für eine Tournee durch die Verwandtschaft der Braut gestylt. Für Rasul sehr einfach, schwarzer Anzug, weißes Hemd und Krawatte, fertig. Die junge Braut sieht richtig niedlich aus.  Sie trägt einen roten traditionell geschnittenen Hosenanzug mit gleichfarbigem Kopftuch und farblich passenden hochmodischen Schuhen. Und… man zeigt was man so an Schmuck hat ☺, nicht übertrieben,  sondern wirklich schöne Ohrringe, Ringe und Ketten. Ich denke, dass es sich um einen Teil des im Film gesehenen Brautschmucks handelt.

Helene und ich starten – es wird für die ganze Zeit ein beliebter Treff- und Sammelpunkt – mal wieder zu einem Ausflug in die Küche, um bei den Vorbereitungen für das morgige Fest zuzuschauen. Ganz entspannt, ohne Verantwortung zu tragen, einfach nur zuschauen, toll ☺. Helfen ist ausdrücklich verboten. Schade, dass ich kein Wort russisch spreche, denn die Frauen versuchen immer wieder mich in ihr Gespräch mit einzubinden. Natürlich wird uns immer wieder etwas zu essen angeboten oder zumindest von den Speisen zu probieren. Den obligatorischen schwarzen Tee können wir nicht ablehnen.

Das Essen ist lecker, aber sehr fettig  und heute auch noch voller Zwiebeln. Selbst die Süßspeisen sind ausgesprochen fett. Da halte ich mich doch lieber an meiner Teetasse fest, die kontinuierlich nachgefüllt wird. Auch das ist eine Tradition, wird die Tasse vom Gastgeber nicht nachgefüllt, so ist der Besuch zu ende. Dem vielen schwarzen Tee verdanken ich, dass mein Magen die Essgelage bisher gut überstanden hat. Eine kurze Arbeitspause der Küchencrew nutze ich für ein Fotoshooting. Die direkte Begutachtung der digitalen Bilder sorgt das für allgemeine Erheiterung.

Ach ja, wir haben ja schon lange nichts mehr gegessen, also wird mal wieder warmes Essen serviert ☺. Es gibt auch ein paar der für morgen vorbereiteten Teigtaschen. Sie bestehen aus einem dünn ausgerollten Hefeteig. Dieser wird in Kreisform ausgestochen und mit einer Hackmasse, bestehend aus halb Fleisch halb Zwiebeln gefüllt sind. Anschließend werde die Teigtaschen kunstvoll zusammengepackt und über Dampf gegart. Für Dirk wurde eine Extraportion mit ganz wenig Zwiebeln zubereitet. Doch auch ganz wenig Zwiebeln sind für Dirk mehr als genug 😒.

Helene hat versprochen für die Gastfamilie Vanillepudding zu kochen, der bei unseren dunganischen Gastgebern völlig unbekannt ist. Und tatsächlich, wir dürfen uns der Küchencrew anschließen. Milch fehlt und so verarbeiten wir einen Teil der Trockenmilch unseres Reiseproviant. Ich bin begeistert, denn ich kann keinen Unterschied zu normaler Milch schmecken. Was vermutlich damit zusammenhängt, dass ich deutlich mehr Milchpulver verarbeitet habe. Milchpulver ist unserem Küchenteam unbekannt, so möchten am Ende alle kosten. Das Auge isst bekanntlich mit und so bekommt der Pudding noch eine Schoko-Deko. Trotz der engen  Küchenverhältnisse und trotz der zwei spielenden Kindern klappt alles prima. Lediglich die Eischneeherstellung nach Großmutterart misslingt mir. Hoffentlich trifft der Pudding den Geschmack der Festgästen.

Der Gottesdienst in der alten Gemeinde von Helene und Alexander beginnt morgen schon um 9:00 Uhr, also Wasche ich noch schnell die Haare. 22:30 für mich ist der Tag zu Ende, die Männer palavern noch im „Bühnenzimmer“. Ein Raum neben der Küche ausgestattet mit einer kleinen Vitrine mit verglastem Oberteil, einem Fernseher und Videorecorder. Ungefähr die Hälfte des Raumes ist erhöht und mit Teppich und Sitzmatten belegt, daher unsere vereinfachte Bezeichnung „Bühnenzimmer“.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Der Ausflug zum Schakyrata Wasserfall

09.10.2004  Frühes Frühstück, denn es ist ein Ausflug mit Ayscha und Rahim zu einem Wasserfall in die nahen kirgisischen Berge geplant. Ich bewundere Ayschas stoische Ruhe, vier Übernachtungsgäste im Haus, Morgen das Haus voller Gäste, denen ein Festmahl serviert werden muss und jetzt mit uns ein Ausflug „aufs Land“. Aber auf der anderen Seite sind diese wunderschönen Berge zu Greifen nah und Ayscha war noch nie dort und ich verstehe, dass sie die einmalige Chance nutzt.

Nach ca. 20 – 30 km Fahrstrecke befinden wir uns bereits in der Gebirgslandschaft des Terskej Alatau Terskej-Alatau. Nicht nur die Landschaft hat sich verändert, sondern unsere Straße ist inzwischen eine Schotterpiste. Ausflugsziel des Tages ist der Schakyrata Wasserfall. Die Landschaft ist atemberaubend schön, je weiter wir ins Tal hineinfahren bekommt sie hochalpinen Charakter. Eingangs des Tales durchfahren wir mehrere kleine Ansiedlungen. Dann gibt es nur noch vereinzelte Gehöfte am Wegesrand und irgendwann nur noch Einsamkeit. Auf den Weiden grasende Pferde, Kühe und Schafe.

In dieser Einsamkeit kommt uns ein Lada Niva entgegen. Unser deutsche Nummernschild weckt die Neugier der Insassen. Der Fahrer hält an und kommt zusammen mit dem Beifahrer für ein kleines Pläuschchen zu uns. Und siehe da, ein deutsch sprechender französicher Jäger mit seinem einheimischen Begleiter, so klein ist die Welt 😉. Er erzählt uns, das sich ihr Lager am Ende der Schlucht befindet und sie auf Steinbockjagd wären.
Und weiter geht’s mit unserem roten Sprinter in Richtung Wasserfall. Die Straßenverhältnisse werden immer schwieriger. Ein Stück der Straße ist vermutlich während der letzten Schneeschmelze zu Tal gegangen und wir müssen ins Bachbett wechseln. Nicht gerade die ideale Strecke für den Sprinter, aber nun sind wir an unserm Ziel, dem Wasserfall.
Helene und Alexander kennen den Platz von früher. Hier in den Bergen hätte ihre Gemeinde Gottesdienste und Zeltlager durchgeführt. Auch seien Sie mit ihren Kindern  im Sommer gerne zum Picknicken hier her gefahren.
Natürlich steigen wir ein Stück am Wasserfall entlang bergan. Es ist sehr schön hier und wir bedauern, nicht über Nacht bleiben zu können.
Inzwischen ist Mittag und ein Picknick angesagt. Bei Sonnenschein sitzen wir auf der Erde, genießen die schöne Landschaft und die uns umgebende Stille. Wir haben um ein leichtes Essen gebeten und tatsächlich, es gibt Fladenbrot, Butter, Obst und Süßigkeiten.

Wir sind glücklich und zufrieden, nur Ayscha hadert mit ihrer Schwiegertochter. Rosa hat beim Packen die Teetassen vergessen und so haben wir zwar warmes Wasser und Tee, aber keine Tassen. Wir fürchten, dass es bei unserer Rückkehr ein Donnerwetter gibt und bitten, nicht mit dem jungen Mädchen (17 Jahre) zu schimpfen. Eigentlich hätten wir gut selber packen können, aber wir durften ja nicht 😜.
Dirk und ich überlegen laut, wie schön es wäre hier zu zelten und tagelang im Tal zu wandern. Und prompt lädt Rahim für den nächsten Sommer ein und plant sofort los: Am Wasserfall könne eine Jurte aufgestellt werden und die Versorgung mit Lebensmittel wäre kein Problem. Grundsätzlich eine tolle Geschäftsidee, über die die Einheimischen ernsthaft nachdenken sollten. Das Land verfügt über so wenig Ressourcen, so das „sanfter“ Tourismus, insbesondere outdoor-Tourismus wie Trecking, Reiten, Angeln und Jagen eine gute Einnahmequelle sein könnte. Wir denken, dass ohne Eigeninitiative der einheimischen Bevölkerung, sehr schnell ausländische Reiseunternehmen Kirgistan als Abenteuerziel erkennen. Allerdings sehen wir erhebliche Probleme im Blick auf know how und Eigeninitiative der Leute vor Ort. Ein erhebliches Problem ist das fehlende Umweltbewußtsein, z.B. liegt rund um den Wasserfall der Müll früherer Picknick-Gäste.
Bevor wir weiter ins Tal hineinfahren, unternehmen wir „Mädels“ einen kleinen Spaziergang am Bach entlang. Unsere Männer suchen im Bachbett nach schönen Steinen oder … vielleicht doch Gold, das es früher angeblich im Bach gegeben haben soll.

Wir fahren noch ein Stück weiter. Dann steigt die Straße merklich, die ersten steilen Serpentinen beginnen und die Piste ist nun richtig schlecht. Also lassen wir unser Auto stehen und  laufen ein kurzes Stück weiter ins Tal hinauf. Es ist schön hier, einfach nur schön.

Doch nun müssen wir wirklich nach Hause, denn Ayscha hat noch einen langen Tag vor sich. Um 15:00 Uhr vom Ausflug zurück wird uns selbstverständlich erst einmal eine warme Mahlzeit serviert. Hauptgesprächsthema ist die Hochzeit von Rosa und Rasul.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!

Kirgistan 2004: Der Besuch bei den Jungvermählten

Nach dem Abendessen statten wir den Jungvermählten unseren Antrittsbesuch ab. Wir dürfen ihre zwei persönlichen Zimmer besichtigen. Die Einrichtung entspricht europäischem Stil, allerdings ist die Anordnung der Wohnzimmermöbel für unsere Augen etwas seltsam. Sessel und Sofa stehen in „Reih und Glied“ entlang der Wand, der Glastisch befindet sich nicht vor dem Sofa, sondern am Raumende vor dem Fenster. Stolz zeigt uns Rosa im Schlafzimmer einen Teil ihrer Aussteuer. Bestehend aus einer Anzahl aufgestapelter Sitzmatten, der kunstvoll verzierten Aussteuerkisten, die von ihr mit zwei Schwänen bestickten Paradekissen und eine Hose mit besticktem Bund. Helene übersetzt wie üblich, danach gehört die Hose zu einem traditionellen „outfit“ und die Stickereien wurden gemeinsam durch Rosa und Ayscha ausgeführt.

Eigentlich wollen wir uns das Video – Dirk meint es wären zwei Bänder 🙄 – über die Hochzeitsfeierlichkeiten ansehen, aber, kaum läuft der Fernseher, fallen Dirk’s Augen zu und Helene und ich kämpfen ebenfalls mit der Müdigkeit. Das Video beginnt mit einem Vorspann, dann ein Blick in das Zimmer der jungen Braut, in dem Frauen der Familie und die Freundinnen der Braut versammelt sind und die Braut verabschieden. Es wird Geld in die Runde geworfen, vielleicht um für die Abschiednehmenden den Trennungsschmerz zu mindern? Die Braut erscheint immer nur von hinten im Bild. Danach ein äußerst langer Schwenk über die fein säuberlich aufgestapelte Aussteuer der Braut. Natürlich gibt es zwischendurch reichlich zu essen und auch das ist säuberlich dokumentiert. Uns wird erklärt, dass ein Großteil der zu sehenden Aussteuer durch den Bräutigam gezahlt worden ist, daneben muss der Bräutigam der Braut den Brautschmuck oder die Morgengabe – von nicht unerheblichem Wert – übergeben. Natürlich gibt es auch einen ausgiebigen Kameraschwenk über den Brautschmuck. Der Brautschmuck ist und bleibt auch nach der Heirat im Eigentum der Frau, die Tradition verbietet den Eigentumsübergang auf den Ehemanns oder dessen Familie. Der Sinn ist die Sicherung des Lebensunterhalts der Braut bei einer eventuellen Scheidung oder beim Tod des Ehemanns. Zur Aussteuer von Rosa zählten das Schlafzimmer, das Geschirr und der Fernsehapparat. Außerdem musste Rosa durch ihre Eltern komplett neu eingekleidet werden. Die Tradition verbietet, dass die Braut mit getragener Kleidung in ihr neues Zuhause einzieht. Selbst das Verladen der Aussteuer und das Ausladen im neuen Heim mit obligatorischem Essen wurde auf Video festgehalten.

Wegen allgemeiner Müdigkeit wird die Filmvorführung an diesem Punkt  abgebrochen. Eigentlich interessierte mich lediglich die Hochzeitszeremonie, ob ich sie wohl jemals sehen werde?

22:00 für Dirk und mich endet ein  interessanter und schöner Urlaubstag. Beim Einschlafen bedaure ich die Küchencrew, die immer noch in der Küche rödelt.

Hier geht’s weiter!

Mehr Fotos auf Flickr!