09.09.2025
Die Burg Bolków wurde im 13. Jahrhundert zur Sicherung der Handelswege gegründet und beeindruckt durch den Hauptturm „Hunger Tower“ und die Bastionen. Im 16. Jahrhundert wurde sie erweitert, im Dreißigjährigen Krieg beschädigt und später als Ruine erhalten. Heute ist sie gut gepflegt und zugänglich.






Die Ruine von Burg Świny, erstmals 1108 erwähnt, liegt in Sichtweite. Sie verlor im 13. Jahrhundert an Bedeutung zugunsten von Bolków. Wir laufen durch die alten Mauern, spürte die Jahrhunderte unter den Füßen und stellen uns Ritter, Händler und Burgfrauen vor – ein richtiger Mittelaltermoment. Beide Burgen werden heute touristisch genutzt.





10.09.2025
Heute besuchen wir Schloß Fürstenstein einen Ort voll wechselhafter Geschichte. Das Schloß zählt zu den größten Schlossanlagen Schlesiens und ist heute ein Besuchermagnet. Die Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Von 1509 bis 1941 befand sich das Anwesen im Besitz der Familie Hochberg. Ab 1943 wurde es Teil des Projekts „Riese“, eines gigantischen Bauvorhabens der Organisation Todt – dessen tatsächlicher Zweck bis heute historisch nicht eindeutig geklärt ist.
Die Tickets für die Untergrundtour um 11.00 Uhr haben wir bereits am Vortag online gekauft. Die Führung durch das unterirdische System ist beeindruckend: Gewaltige Stollen auf zwei Ebenen, etwa 15 und 50 Meter unter der Erde. Die Gänge sind so groß angelegt, dass problemlos eine Lokomotive mit mehreren Anhängern hindurchfahren könnte.


Zurück an der Oberfläche legen wir eine kurze Mittagspause ein. Danach erkunden wir mit dem Audioguide die wunderschönen, hervorragend restaurierten Schlossräume und schlendern anschließend durch die Gärten. Alles ist bestens gepflegt und befindet sich in nahezu perfektem Zustand







Nach dem Abendessen besuchen wir noch das dazugehörige Gestüt und laufen durch die riesigen Pferdeställe. Wir dürfen auf dem großen Parkplatz übernachten.


11.09.2025
Weiter geht es nach Schweidnitz auf den Campingplatz. Von dort fahren wir mit den Fahrrädern in die Altstadt. Wir werfen nur einen kurzen Blick in die Kathedrale, denn dort beginnt gerade die Mittagsmesse und wir wollen nicht stören. Also geht es weiter zur Evangelischen Friedenskirche. Sie hat eine außergewöhnliche Geschichte: Der Grundstein wurde im August 1653 gelegt, und bereits im Juli 1657 fand hier der erste Gottesdienst statt. Auf einer Grundfläche von rund 1090 m² bietet sie Platz für etwa 7500 Menschen, davon rund 3000 Sitzplätze. Der Glockenturm wurde erst 1708 in unmittelbarer Nähe der Kirche errichtet. Der Bau unterlag strengen Auflagen von Kaiser Ferdinand III.: Die Kirche musste innerhalb eines Jahres errichtet werden, und als Baumaterial waren ausschließlich Holz, Sand, Lehm und Stroh erlaubt. Umso beeindruckender ist die üppige barocke Innenausstattung. Heute gehört die Friedenskirche zum UNESCO-Weltkulturerbe.






Anschließend erkundeten wir die schön restaurierte Altstadt und klettern auf den Rathausturm.



12.09.2025
Heute fahren wir über kleine Landstraßen durch zahlreiche landwirtschaftlich geprägte Dörfer. Immer wieder fallen uns die alten Häuser aus der Vorkriegszeit auf – viele sind bereits liebevoll restauriert, andere werden gerade mit viel Aufwand saniert. Unser Ziel ist die Festung Silberberg (Twierdza Srebrna Góra) mit ihrem gewaltigen Donjon. Vom Parkplatz führt ein etwa ein Kilometer langer Weg bergauf, bis wir schließlich die beeindruckende Festungsanlage erreichen, die hoch über der Landschaft thront. Auch hier führt uns wieder ein Audioguide durch die Festung, die zwischen 1765 und 1777 auf Befehl des preußischen Königs Friedrich II errichtet wurde. Sie sollte den strategisch wichtigen Silberbergpass sichern und die preußische Verteidigungslinie gegen mögliche Angriffe der Österreicher stärken. Als militärische Festung war sie allerdings nur knapp ein Jahrhundert in Nutzung. Danach diente die Anlage bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Gefängnis. Sie ist heute ein offizielles Geschichtsdenkmal Polens.







Wir lassen den Tag ruhig ausklingen und übernachten auf dem Parkplatz unterhalb der Festungsanlage.
13.09.2025
Die Landschaft des Eulengebirges begleitet uns noch ein Stück auf dem weiteren Weg in den nahegelegene Marienwallfahrtsort Wambierzyce, dem früheren Albendorf, der auch als als „Schlesisches Jerusalem“ bezeichnet wird. Der eindrucksvolle Barockbau der Basilika Mariä Heimsuchung – erbaut im 17. und 18. Jahrhundert – ist über eine monumentale Freitreppe erreichbar und prägt das Ortsbild. Von dort spazieren wir hinauf auf den Kalvarienberg, die Kreuzwegstationen sind mit lebensgroßen Figuren bestück und so sehr eindrucksvoll. Ein stimmungsvoller Weg der Besinnung und Einkehr. Von oben bietet sich ein schöner Blick auf die Basilika und den Ort. Anschließend schauen wir noch in das kleine Museum mit der „beweglichen Krippe“. Dieses außergewöhnliche Werk wurde im 19. Jahrhundert von dem Künstler Longin Wittig und seinem Sohn Hermann geschaffen.




Wir suchen Ruhe und Natur und fahren weiter zu einem Wanderparkplatz im Nationalpark Heuscheuergebirge (Park Narodowy Gór Stołowych). Der Nationalpark ist vor allem für seine ungewöhnlichen Felsformationen bekannt. Wir unternehmen eine kleine Wanderung und genießen die besondere Landschaft dieser Region.




Hier im Nationalpark dürfen wir nicht übernachten. Deshalb fahren wir auf einen Wanderparkplatz außerhalb des Naturschutzgebietes. Bis spät in die Nacht hören wir immer wieder das Röhren der Hirsche.
14.09.2025
Da für den gesamten Tag Regen vorhergesagt ist, entscheiden wir uns spontan für den Besuch der ehemaligen Goldmine in Reichenstein (Złoty Stok). Die Führung erfolgt auf polnisch. Wir erhalten einen Audio-Guide, der uns alles auf deutsch erzählt. Der Goldbergbau in der Region ist urkundlich bereits ab dem 13. Jahrhundert belegt, seine Hochphase liegt im 16. und 17. Jahrhundert. Ab 1507 befand sich hier auch eine Münzprägeanstalt. Ab dem 18. Jahrhundert verlagerte sich das Schwergewicht auf die Gewinnung von Arsenik. Die Arbeiten in der Mine werden 1961 eingestellt, doch seit 1996 können Besucher die Untertage-Touristenroute „Goldmine Złoty Stok“ besichtigen. Wir durchqueren Stollen, sehen technische Anlagen und besichtigen unterirdische Räume, sogar mit einem großen Wasserfall. Zurück gehts mit einer kleinen Bahn. Anschließend besuchen wir das Museum. Es gibt diverse Aktivitäten für Familien mit Kindern und auch für das weibliche Wohl ist gesorgt. Für die Übernachtung nutzen wir den Stellplatz direkt an der Mine. Er hat sogar eine Ver- und Entsorgung, was natürlich besonders praktisch ist.








15.09.2025
Einem Tipp von ChatGPT folgend fahren wir heute nach Patschkau (Paczkow). Ein Abstecher, der sich absolut lohnt. Die Stadt beeindruckt mit ihrer fast vollständig erhaltenen historischen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, zahlreichen Wehrtürmen und dem gut erhaltenen gotischen Stadttor. Besonders interessant ist die Geschichte der Pfarrkirche St. Johannes – einer echten Wehrkirche. Im Kirchenschiff befindet sich ein Brunnen aus dem Jahr 1538, angeblich der einzige seiner Art innerhalb einer Kirche in Europa. Ein weiteres Highlight ist die Besteigung eines Turms der Stadtmauer – den Schlüssel gibts am Kiosk -, von dem man einen wunderbaren Blick über die Altstadt hat.






Anschließend fahren wir nach Moschen (Moszna) zu einem der märchenhaftesten Schlösser Polens. Es beeindruckend mit seinen 99 Türmen und Türmchen und wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Sitz der Familie von Tiele-Winckler erbaut. Wir schlendern durch den weitläufigen Schlosspark, in dem alte Eichen Schatten spenden und beobachten gleich fünf Brautpaare bei ihren Fotosessions, jeweils begleitet von zwei Fotografen. Am Abend kehren wir noch einmal zum Schloss zurück, um die musikalisch untermalten, farbigen Wasserspiele zu bestaunen – ein stimmungsvoller Abschluss unseres Tages. Wir übernachten auf einem Stellplatz in der Nähe des Schlosses.





16.09.2025
Auf unserem Weg durch riesige Waldgebiete finden wir glücklicherweise eine kleine Tankstelle in einem kleinen Dorf. Wir fahren zum Turawa-Stausee, dessen Bauzeit von 1933 bis 1939 dauerte. Mit einer aufgestauten Fläche von rund 20 km² zählt er zu den größten künstlichen Seen Schlesiens. Er stabilisiert den Wasserstand der Oder und spielt somit eine zentrale Rolle für Landwirtschaft, Schifffahrt und Industrie. Außerdem befinden sich am See kleinere Wasserkraftwerke zur Energiegewinnung. Am rudimentären Camping (Wir stehen eigendlich mitten im Wald.) schwingen wir uns auf die Fahrräder und umrunden den See auf einer 25,7 km langen Strecke. Unterwegs legen wir eine Pause ein und genießen einen Cappuccino und ein köstliches Stück Pflaumenstreusel in einem Gartenrestaurant direkt am See.






17.09.2026
Auf den Spuren der schönen und gut erhaltenen Holzkirchen
- St. Hedwig in Bierdzany (1711)
- St. Johannes der Täufer in Wędrynia (1791, Turm 1818)
- Wallfahrtskirche St. Anna in Olesno (1518, Erweiterung 1668–1670)
- Rochuskirche in Truskolasy (1710, nach der Pest errichtet)




Höhepunkt und Abschluss dieses Tages ist Jasna Góra in Tschenstochau eines der bedeutendsten religiösen und kulturellen Zentren Polens. Es ist ein normaler Wochentag, aber eine große Pilgerschar bevölkert das Klostergelände. Anziehungsmagnet ist die Ikone der Schwarzen Madonna – ihr dunkles Gesicht verdankt sie der Patina und Jahrhunderten von Kerzenrauch. Spätere Restaurierungen haben diese geheimnisvolle Dunkelheit noch verstärkt, was der Ikone eine fast mystische Ausstrahlung verleiht. Um die Pilger nicht in Ihrer Andacht zu stören konnten wir nur von Ferne einen Blick auf die Ikone werfen.







Die Abtei selbst wurde 1382 von Benediktinern gegründet und zieht seit Jahrhunderten Pilger und Besucher aus ganz Mitteleuropa an. Wir schlendern durch die ehrwürdigen Hallen und spüren die besondere spirituelle Atmosphäre des Ortes. Am Abend werden wir Zeugen der beeindruckenden Ankunft der Motorradwallfahrt „God’s Guards“ – ein lebendiges Spektakel voller Farbe, Motorengebrumm und Pilgerstimmung, das den Tag eindrucksvoll abschließt.
18.09.2025
Heute folgen wir dem Adlerhorst-Burgen-Weg (Szlak Orlich Gniazd). Viele dieser Burgen entstanden im 14. Jahrhundert unter König Kasimir III. der Große. Sie dienten damals als Grenzfestungen zum Schutz des Königreichs Polen und wurden meist auf markanten Kalkfelsen errichtet – daher der Name „Adlerhorst“.
Unser erster Halt ist die Ruine der Burg Olsztyn. Wir steigen zur Anlage hinauf, besichtigen die Mauern und genießen die schöne Aussicht über die Felsenlandschaft der Krakau-Tschenstochauer Jura.







Danach fahren wir weiter zur Burg Bobolice. Wir besichtigen die teilweise rekonstruierte Burg und spazieren dann etwa 2,5 km zur Burg Mirów. Im Gegensatz zu Bobolice blieb sie eine romantische Ruine und wirkt besonders ursprünglich. Da wir hier nicht übernachten dürfen, fahren wir weiter auf einen Camping in der Nähe der Burg Ogrodzieniec. Dort lassen wir den Tag zwischen Felsen, Geschichte und beeindruckenden Burgruinen ausklingen.
19.09.2025
Vom Campingplatz laufen wir zur Burg Ogrodzieniec. Unterwegs beobachten wir einige Freeclimbern, die sich geschickt an den an den steilen Kalkfelsen nach oben arbeiten.
In der Burganlage angekommen, steigen wir die zahlreiche Treppen hinauf und wieder hinunter und erkunden die weitläufige Anlage. Die Burg stammt aus dem 14. Jahrhundert und gilt als die größte und bekannteste Ruine des Adlerhorst-Burgen-Wegs. Hoch auf den Kalkfelsen gelegen, beeindruckt sie mit ihren mächtigen Mauern, Türmen und verwinkelten Gängen. In einigen Gewölben treffen wir auf Darstellungen „höfischen Lebens“ des Mittelalters, die der Anlage eine besondere Atmosphäre verleihen. Dank der jüngsten Arbeiten erhielt die Burg eine neue Besichtigungsroute, die es den Besuchern ermöglicht, an Orte zu gelangen, die zuvor unzugänglich waren wie die einstige Schatzkammer und das Munitionslager. Der nachgebaute hölzerne Kreuzgang auf dem Ptasznik-Hof ist ebenfalls neu entstanden. Auch Filmszenen wurden hier gedreht, unter anderem für den Film Der Ritter von Lech Majewski aus dem Jahr 1980.






Nach unserer Mittagspause im Bimo wandern wir zum Góra Birów. Auf dem Felsen steht heute eine rekonstruierte Holzburg mit herlichem Rundumblick über die Landschaft. Archäologische Funde zeigen, dass dieser Ort bereits in prähistorischer Zeit besiedelt wurde. Besonders im Frühmittelalter, etwa im 9.–11. Jahrhundert, befandt sich hier eine slawische Siedlung. Reste von Befestigungen, Keramikscherben und Werkzeuge wurden bei Ausgrabungen entdeckt.
Begrüßt werden wir von ein paar recht seltsamen Gestalten – offenbar Darsteller in historischer Kleidung, was für einige heitere Momente sorgt. Auch hier sind die Holzhäuser mit Repliken frühmittelalterlicher Funde und entsprechenden Ausstattungen versehen.





Am Abend fahren wir weiter und übernachten schließlich auf dem Parkplatz der Höhle Jaskinia Łokietka.
20.09.2025
Frühmorgens ist schon Bewegung auf dem Parkplatz. Also laufen wir mit den vielen Besuchern zum Höhleneingang der Jaskinia Łokietka im Ojców-Nationalpark. Die geführte Tour geht ca. 320 m in den Berg, bei einer Temperatur von rund 7°.
Für all die, die Märchen mögen: Wie so oft an historischen Orten gibt es auch hier einige Legenden. Eine erzählt von Władysław I. Łokietek („Ellenlang“), der später König von Polen wurde. Der Überlieferung nach versteckte er sich hier im 13. Jahrhundert mit seinen Getreuen vor böhmischen und ungarischen Verfolgern. Eine Spinne soll in dieser Zeit ein Netz vor den Höhleneingang gesponnen haben. Die Verfolger glaubten deshalb, die Höhle sei unberührt – und ziehen weiter. So konnte Łokietek entkommen und später den polnischen Thron besteigen. Heute wird die Höhle von Fledermäusen bewohnen.






Nach dem Höhlenbesuch unternehmen wir noch einen Spaziergang durch den lichtdurchfluteten Laubwald des Nationalparks. Den Tag lassen wir schließlich auf einem hübschen kleinen Campingplatz in der Nähe von Krakau ausklingen. Ihn erreichen wir dank Apple-Navi auf dem kürzesten Weg, also über enge Schotterwege und sogar mit einer Wasserdurchfahrt.