Kirgistan 2004: Der Besuch bei den Jungvermählten

Nach dem Abendessen statten wir den Jungvermählten unseren Antrittsbesuch ab. Wir dürfen ihre zwei persönlichen Zimmer besichtigen. Die Einrichtung entspricht europäischem Stil, allerdings ist die Anordnung der Wohnzimmermöbel für unsere Augen etwas seltsam. Sessel und Sofa stehen in „Reih und Glied“ entlang der Wand, der Glastisch befindet sich nicht vor dem Sofa, sondern am Raumende vor dem Fenster. Stolz zeigt uns Rosa im Schlafzimmer einen Teil ihrer Aussteuer. Bestehend aus einer Anzahl aufgestapelter Sitzmatten, der kunstvoll verzierten Aussteuerkisten, die von ihr mit zwei Schwänen bestickten Paradekissen und eine Hose mit besticktem Bund. Helene übersetzt wie üblich, danach gehört die Hose zu einem traditionellen „outfit“ und die Stickereien wurden gemeinsam durch Rosa und Ayscha ausgeführt.

Eigentlich wollen wir uns das Video – Dirk meint es wären zwei Bänder 🙄 – über die Hochzeitsfeierlichkeiten ansehen, aber, kaum läuft der Fernseher, fallen Dirk’s Augen zu und Helene und ich kämpfen ebenfalls mit der Müdigkeit. Das Video beginnt mit einem Vorspann, dann ein Blick in das Zimmer der jungen Braut, in dem Frauen der Familie und die Freundinnen der Braut versammelt sind und die Braut verabschieden. Es wird Geld in die Runde geworfen, vielleicht um für die Abschiednehmenden den Trennungsschmerz zu mindern? Die Braut erscheint immer nur von hinten im Bild. Danach ein äußerst langer Schwenk über die fein säuberlich aufgestapelte Aussteuer der Braut. Natürlich gibt es zwischendurch reichlich zu essen und auch das ist säuberlich dokumentiert. Uns wird erklärt, dass ein Großteil der zu sehenden Aussteuer durch den Bräutigam gezahlt worden ist, daneben muss der Bräutigam der Braut den Brautschmuck oder die Morgengabe – von nicht unerheblichem Wert – übergeben. Natürlich gibt es auch einen ausgiebigen Kameraschwenk über den Brautschmuck. Der Brautschmuck ist und bleibt auch nach der Heirat im Eigentum der Frau, die Tradition verbietet den Eigentumsübergang auf den Ehemanns oder dessen Familie. Der Sinn ist die Sicherung des Lebensunterhalts der Braut bei einer eventuellen Scheidung oder beim Tod des Ehemanns. Zur Aussteuer von Rosa zählten das Schlafzimmer, das Geschirr und der Fernsehapparat. Außerdem musste Rosa durch ihre Eltern komplett neu eingekleidet werden. Die Tradition verbietet, dass die Braut mit getragener Kleidung in ihr neues Zuhause einzieht. Selbst das Verladen der Aussteuer und das Ausladen im neuen Heim mit obligatorischem Essen wurde auf Video festgehalten.

Wegen allgemeiner Müdigkeit wird die Filmvorführung an diesem Punkt  abgebrochen. Eigentlich interessierte mich lediglich die Hochzeitszeremonie, ob ich sie wohl jemals sehen werde?

22:00 für Dirk und mich endet ein  interessanter und schöner Urlaubstag. Beim Einschlafen bedaure ich die Küchencrew, die immer noch in der Küche rödelt.

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  1. Pingback: Kirgistan 2004: Die Küche und die Tradition – Marita und Dirk

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